Unsere Mittagsstation war das Dorf Kalapama. Welch köstliche Wohlthat, als plötzlich die knirschende Lava aufhörte und ein weicher Grasboden die Hufe verstummen machte, als wir wieder vom Pferde springen durften, auf einer kühlen Veranda den erquickenden Knetkünsten der herbeigeeilten Mädchen uns preiszugeben und danach in einem brackischen Tümpel, welchen ein hoher natürlicher Deich aus Lavageröll von der draussen donnernden Brandung des Meeres abschloss, ein Bad zu nehmen, bis die unvermeidlichen Hühner gemordet, gerupft und gebraten waren.
Nach zwei Stunden gings abermals fort, abermals über Lava, glasharte, knirschende und kratzende Lava. Etliche Dörfer flogen vorüber. Denn in der Nähe menschlicher Wohnstätten kamen wir meistens auf eine wohlgeglättete Strasse, und unbekümmert um die holde Weiblichkeit, die uns zu sehen aus den Hütten trat, spornten wir die Pferde zur höchsten Eile, um die wenigen besseren Stückchen des Weges auszunützen.
Bergauf und bergab, bald dicht am Meere entlang, bald weiter innen durch Lavawüsten und Pandanusdickichte, führte uns der ermüdende Ritt. Ein seltsamer Begräbnissplatz stand unmittelbar am Rande des steilen Ufers, etwa sechs Leichenhügel aus Lavablöcken, deren glänzend weissgetünchte Umzäunungen eigenthümlich von der Schwärze der rauhen Umgebung abstachen. Es gab weit und breit nicht Humus genug zur Beerdigung. Donnernd prallten die Wogen gegen die Felswand unten, und die Brandung spritzte herauf bis zu der Stätte wo die Todten ruhten.
Ein mit Gras und Kukuigebüsch bewachsener Hügel erschien zur Linken, das Wahrzeichen unseres Zieles Kapoho, eine herzerfreuende Oase nach solcher 42 Meilen langen Lavawüstenei.
Mein Landsmann, Kapitän Eldart, kam uns entgegen und wies uns den Weg in sein gleich einer Burg mit Zyklopenmauern umgebenes Gehöft. Einige braune Burschen bemächtigten sich der Pferde. Wir selbst liessen uns sofort zum Baden führen.
Natürlich ist auch der nächste Hügel gleich hinter dem Gehöft ein alter Vulkan, in dessen Krater ein Teich sich angesammelt hat. Goldfische werden in ihm gezüchtet, und hie und da blitzte einer dieser glänzenden Bewohner des dunklen und stillen Grundes empor, als wir in sein kühles Wasser tauchten, den Schweiss des heissen Tages von den Gliedern zu spülen.
Die Umgebung Kapohos wird nach innen durch eine Reihe ganz mit Gras überzogener Hügel abgegrenzt, nach aussen gegen die See zu dehnt sich die einförmige Lavafläche mit ihrer dünnen Farnkrautdecke. Aussergewöhnlich schlanke Kokospalmen stehen gruppenweise zusammen, die Spitzen der Hügel sind mit dem eigenthümlichen Silberglanz der Kukuibüsche geziert.
Kapitän Eldarts Hauptbeschäftigung ist die Jagd auf die seit hundert Jahren verwilderten Rinder, die heerdenweise ringsherum leben und nur wegen ihres Talges und ihrer Häute geschossen werden. Ein gefährliches und verwegenes Handwerk, auf solchem Boden und zu Pferde diesen Thieren nachzustellen, oft genug auch von ihnen sich jagen zu lassen. Seit zwei Jahren lebt ein junger Verwandter aus Deutschland bei ihm als Gehilfe, ein ehemaliger Ulan, der mit in Frankreich gewesen und jetzt erst recht in seinem Elemente sich fühlt, da er so viele Gäule zu Schanden reiten kann als er mag. Ein nicht zu verachtender Nebensport scheint ihm die Verbesserung der Rasse im nächsten Dorf drüben zu sein.
Die Mischung germanischen und polynesischen Blutes giebt ganz prachtvolle Jungen. Kapitän Eldarts reizende Kinderschaar, die sich stetig dem Dutzend nähert, liefert ein nachahmungswürdiges Beispiel. Sein Aeltester ist ein ideal schöner Knabe im Style jenes jungen Italieners von Karl Becker. Gleichwohl fehlte es auch hier nicht an Symptomen der überall zu beobachtenden Thatsache, dass die Ehe eines Weissen ausserhalb seiner Rasse zu Missverhältnissen führt. Es schien mir, als ob mein Landsmann unser freundlicher Wirth sich seiner braunen Gattin schämte. Wir bekamen sie nicht zu Gesicht. Sie wohnte abseits in dem Haus für die Dienerschaft und blieb dort verborgen, solange wir in Kapoho weilten.
Am nächsten Morgen regnete es. Ab und zu kamen heftige Windstösse und bogen die schlanken Palmen und zausten an ihren Kronen, dass sie aussahen wie zerrissene und umgestülpte Regenschirme. Wir benützten deshalb unseren Rasttag nur zur Besichtigung der allernächsten Merkwürdigkeiten. Wir waren auch viel zu müde und steif um weit herumzulaufen.