Eine seltsame Todtenfeier. Kapitän Spencer und seine Zuckersiederei. Der Kilauea kommt nicht. Ein hawaiisches Souper und Abschied von Hilo. Nächtliche Bootfahrt nach Kohala. Konflikt mit dem Sabath und abermals fort. Landung auf Maui. Ein interessanter Mann der Presse. Der Bäcker von Lahaina. Stürmisches Wetter. Endlich in Honolulu.
Von nun an fiel fast beständig Regen in Strömen herab, so dass wir grösstentheils zu Hause bleiben mussten.
Einige Weisse kamen uns zu besuchen, darunter auch ein Missionär und ein Arzt. Der Kollege litt an einer Krankheit, die in der heissen Zone häufig zu sein scheint. Er hatte sich das Schnapstrinken so sehr angewöhnt, dass er es nicht mehr lassen konnte und ohne Schnaps unglücklich war. Nun war ihm vor einigen Tagen sein Vorrath, den erst die Ankunft des Dampfers von Honolulu erneuern sollte, zu Ende gegangen, und er fühlte sich recht elend. Bei mir hoffte er eine Flasche des süssen Giftes zu erhalten. Leider waren jedoch auch unsere Spirituosen auf der Neige, und der halbe Schoppen Whisky, den ich ihm vorsetzte, erregte nur ein halb wehmüthiges halb verächtliches Lächeln.
Dieser langweilige Tag fand einen höchst interessanten Abschluss. Abends als es bereits dunkelte, kam unser Halbchinese in grosser Aufregung, wie gewöhnlich wenn er etwas Neues wusste, und lud uns ein schnell ihm zu folgen, er wolle uns zu einem Hula Hula führen, wie wir noch keinen gesehen hätten. Da nichts Besseres zu thun war, ging ich mit. Ich versprach mir nicht viel und dachte, es handle sich wieder um eine der gewöhnlichen erotischen Unternehmungen, zu welchen dem Fremdling in jenem Lande so reichlich Gelegenheit geboten wird.
Wir hatten bis ans andere Ende der ausgedehnten Ortschaft zu gehen. Schon von weitem tönte die einförmige wilde Melodie und das schrille Klappern der Kalebassen durch die Gärten herüber, als wir auf engen schlüpfrigen Seitenpfaden zwischen Zäunen und niedrigen Mangobäumen leise im Gänsemarsch dahinwanderten.
Neugierige standen in Gruppen vor dem Hause, welches unser Ziel war, und in dessen Veranda, von einer Petroleumlampe beleuchtet, zwei Frauenzimmer auf dem Boden sassen und unter dem rhythmischen Hin- und Herwerfen des Oberkörpers und der Arme die uns bereits wohlbekannte geräuschvolle Musik verübten. Unter der Thüre, hinter den geöffneten Fenstern und im Innern des Hauses, welches durch seine europäischen Möbel einen höheren Grad von Wohlhabenheit verrieth, sassen alte Weiber, ein paar Männer und einige junge Mädchen.
Wir schienen nicht unwillkommen zu sein. Man machte Platz in der Veranda und brachte Stühle heraus. Hapai stellte uns den jungen Damen vor. Sie waren entfernte Kousinen von ihm und hatten auf der Missionsschule Englisch gelernt. Nun freuten sie sich, ihre Konversationskünste zeigen zu können, und plapperten sehr angenehm los, trotzdem der unaufhörliche Lärm der Hula Hula-Rassel das Sprechen beinahe vereitelte.
Eine geraume Weile sassen wir so da, ohne zu ahnen, welcher eigenthümlichen Art von Feierlichkeit wir beiwohnten, bis eine der anziehenden Schönen frug, ob wir nicht ihre todte Schwester ansehen wollten. Erstaunt und ungewiss, ob wir auch richtig verstanden, traten wir ins Innere, und – da lag wirklich eine Leiche mitten im Zimmer auf dem Paradebett, die Leiche eines jungen Mädchens von 17 Jahren.
Blumenkränze und Blattguirlanden bedeckten das schwarze Tuch, welches über sie gebreitet war. Zwei Frauen, schwarzgekleidet wie die Uebrigen, kauerten traurig daneben, zerdrückten hie und da mit dem Taschentuch eine Thräne und wehrten mit Blumenwedeln die Fliegen ab.
Draussen aber lärmten unermüdlich und immer ungestümer die beiden Tänzerinnen. Sie hatten sich erhoben und führten nun jene äusserst unzüchtigen Bewegungen aus, welche zum Hula Hula gehören.