In der Kapelle des anglikanischen Bischofs sah ich fast nur Weisse. Eine Abtheilung Matrosen des englischen Kanonenbootes füllte die Hälfte des bescheidenen Raumes, der dafür eine um so grössere Zahl von Ober- und Unterpriestern entfaltete. Des ewig wechselnden Aufstehens und Niederknieens das dieser Ritus erfordert war ich bald müde und ich drückte mich wieder von dannen. Zum Schluss machte ich noch bei einer anderen frommen Gesellschaft Besuch, die ihr einfaches schmuckloses Haus in der Nähe des Chinesenviertels hat. Es waren dort nur Eingeborene zu sehen. Ein presbyterianischer Reverend aus Amerika in schwarzem Frack und weisser Kravatte hielt eine Hawaiische Predigt, dann sang die Gemeinde mit vollen und kräftigen Stimmen einen schönen Gesang, welcher mir wieder Zeugniss ablegte von der grossen musikalischen Begabung dieser Kanakas. Nur die Weiber haben zuweilen etwas zu wilde gellende Stimmen gleich unseren süddeutschen Bäuerinnen.

Wie allenthalben in der Südsee wird auch in Hawaii von den Kaufleuten den Missionären viel Schlimmes nachgesagt und behauptet, dass sie sehr geldgierig seien. In wie fern derartige Aeusserungen berechtigt waren, konnte ich bei der kurzen Dauer meines Aufenthaltes natürlich nicht beurtheilen. Auffallend war mir, dass dieselben sich stets nur auf Missionäre der verschiedenen angloamerikanischen Sekten bezogen, während über die katholischen, meist französischen Missionäre stets nur Lobeserhebungen ihrer Uneigennützigkeit zu hören waren. Diese Beobachtung drängte sich mir nicht blos in Hawaii, sondern auch in Viti und in Neuseeland auf. Die geringere Macht und in Folge dessen vielleicht eine geringere Geschäftsbeeinträchtigung von Seiten des Katholizismus dürften zur Erklärung nicht ausreichen.

XXIII.
VON HONOLULU NACH SAN FRANCISCO.

Abschied von den glücklichen Inseln. Die Zealandia und ihre Gesellschaft. Unsere schöne Hellena, der alte Schiffsdoktor und eine interessante Geschäftsreisende. Langweile und Kriegsgerüchte. Ankunft des Lootsen. Das Goldene Thor.

Die Zealandia, welche uns nach San Francisco bringen sollte, war erst am 12. September von Australien her fällig. Insgeheim hofften wir, dass sie sich wie gewöhnlich einen Tag verspäten möchte. Aber schon am Morgen des 11. September wurden wir sehr unangenehm durch die Nachricht überrascht, dass sie in Sicht sei.

Wir beeilten uns schleunig einzupacken, Photographien zu kaufen und Abschied zu nehmen. Zum Glück hatte der Kapitän ein Einsehen und verschob die anfänglich für denselben Nachmittag festgesetzte Abfahrt auf morgen. Die Passagiere strömten natürlich wieder schaarenweise an Land, doch nur wenige kamen ins Hotel zum Dinner, was wir als ein günstiges Symptom in Betreff der Zealandia Küche auffassen zu dürfen glaubten. Und wie die Folge lehrte hatte es damit seine Richtigkeit.

Es ist immer schmerzlich, sich von einem Ort losreissen zu müssen, in dem man sich eingelebt hat, namentlich wenn sich an ihn so viele angenehme Erinnerungen knüpfen. Wir waren in Honolulu trotz des kurzen Aufenthalts nicht nur mit den Weissen sondern auch mit den Eingeborenen schnell vertraut geworden, und fast jedes Obstweib, jedes Mädchen auf der Strasse, jeder Pferde verleihende Strolch, kurz das ganze fröhliche, blumenbekränzte Gesindel stand mit uns bereits auf dem freundschaftlichsten Fuss intimer Begrüssung, so oft wir uns begegneten. Zum letzten mal tauschten wir nun mit all diesen liebgewordenen Bekannten unser »Aloha«, während wir nach dem Hafen fuhren.

Ein reizend frischer Morgen lag über den Gärten Honolulus, als die Zealandia pünktlich zur festgesetzten Stunde vom Kai und seiner grellbunten Volksmenge, die Tücher schwingend uns glückliche Reise nachrief, sich löste.

Auch der König hatte sich eingefunden, Zeuge unserer Abfahrt zu sein. Er stand etwas abseits vom grössten Gewühl neben einer eleganten Kalesche, deren Pferde ein Kutscher in Jockeylivree hielt. Sonst hatte er keinen Begleiter. Er sah der Zealandia nach, bis sie langsam über die Riffbarriere gesteuert war. Ein paar Dutzend nackter und schreiender Jungen schwammen zu beiden Seiten des Dampfers mit hinaus und bettelten um Münzen, die sie im Sinken unter dem Wasser erhaschten, ohne die mögliche Anwesenheit von Haien zu fürchten.

Sobald wir die offene See erreicht hatten, wendeten wir uns nach links, gingen im Bogen um Oahu herum, zwischen Oahu und Molokai hindurch, und schlugen dann den Kurs nach San Francisco ein, schnurgerad dem Nordostpassat entgegen.