Noch eine andere Erfahrung wurde mir zu Theil. Wenn schon die Salzfluth des gewöhnlichen vierprozentigen Meeres abscheulich schmeckt, so ist dies hier noch viel intensiver der Fall. Bei meinen verschiedenen Experimenten geriethen mir etliche Tropfen durch die Nase in den Schlund, und ein sofortiger Brecherguss war die interessante, aber unangenehme Folge davon. Es soll auch, wie ich mich später erkundigte, noch keinem Menschen vergönnt gewesen sein, einen derartigen Reiz ohne solche Reaktion auf sich wirken zu lassen.

Eine Menge kleiner Krebse aus dem Geschlecht der Artemien tummelte sich um das Pier herum. Ich fing ihrer ein paar Dutzend, und da sie alle ziemlich tief schwammen, und die einzig mögliche Fangmethode mittels der luftgefüllten Flasche, die ich plötzlich umdrehte, so dass das Wasser und zugleich einzelne Thierchen hineinstürzten, umständlich und langweilig und die Temperatur des Sees sehr kalt war, so fror ich beträchtlich, und zähneklappernd entstieg ich dem lehrreichen Bade.

Als der primitive Bummelzug aus Ophir City am Abend mich wieder abgeholt hatte und wir nach Salt Lake City zurückdampften, brauchten wir für die kurze Strecke noch länger wie am Morgen. Einmal fuhren wir auf einer Zweigbahn in einen abseits gelegenen Sandbruch ein, um einen Sandwagen anzuhängen, und zweimal mussten wir mitten in der Ebene halten, zuerst weil ein Bauer seinen leeren Karren auf den Schienen hatte stehen lassen, bis der Lokomotivführer ihn in den Graben hinabschob, und dann weil drei Ochsen eigensinnig darauf bestanden, lustig mit hoch erhobenen Schwänzen vor uns her zu traben. Und während wir gerade im vollen Lauf waren, hatte ich doch noch immer Zeit genug, schnell herab zu springen, eine unvorsichtige Natter, die an der Böschung hinkroch, einzuheimsen, nachzulaufen und wieder aufzusteigen.

Ehe ich Salt Lake City für immer verliess, machte ich noch einen Spaziergang nach Camp Douglas.

Vor ungefähr dreissig Jahren, als Brigham Young sich stark und entfernt genug fühlte, der Regierung in Washington Trotz zu bieten, sandte diese mit riesigen Kosten ein Heer unter General Douglas aus, um ihn zu unterdrücken. Camp Douglas, das ehemals befestigte Lager der Expedition, auf einer die Stadt beherrschenden Höhe im Hintergrunde gegen die Berge zu gelegen, erzählt noch heute von jener Geschichte und beherbergt noch heute eine kleine Besatzung, obwohl die Macht des Mormonenthums längst gebrochen ist.

Links und rechts von der ansteigenden staubigen Strasse eilen tief verborgen unter staubbedeckten Artemisiabüscheln kleine Bäche herab, überraschend mitten in der dürren Wüste. Camp Douglas selbst ist wieder eine grüne Oase, ein schöner quadratischer Exerzierplatz mit Akazienbäumen bepflanzt und umgeben von Barackenkasernen und Offizierswohnungen mit sauberen blumenreichen Gärtchen davor. Am Eingang stehen die Wache und einige alte Geschütze. Der Posten hatte vier scharfe Patronen im Gürtel stecken, zu welchem Zweck, blieb mir bei der Abwesenheit eines Feindes und bei der sonstigen Gemüthlichkeit, mit welcher der Dienst betrieben zu werden schien, räthselhaft.

Es war Abend, und die grosse Flagge, die von der Spitze eines hohen Mastes wehte, sollte niedergeholt werden. Die ganze Besatzung, etwa hundert Mann, lauter Artillerie, versammelte sich in Reih und Glied zum Appell. Vier Offiziere stülpten weisslederne Handschuhe über die Finger und rasselten mit ihren Säbeln, mehrere Soldaten trugen statt des Käpis einen Schlapphut. Die Sonne ging glühend unter. Die Wache trat ins Gewehr, ein Trompetensignal, ein Trommelwirbel, ein Kanonenschuss, und das Sternenbanner stieg langsam und gravitätisch herab.

Unten im weiten ebenen Thale lag friedlich die Stadt mit ihren rechtwinkligen Blöcken von Häusern und Gärten, die vom Schein des wolkenlosen Abendhimmels glitzernde Fläche des Salzsees und der Silberfaden des Jordanflusses. Ringsum die blauen Berge. Nach Osten zieht sich der Telegraphendraht in einen Sattel hinauf. Er geht noch den alten Weg, den einst die Auswandererzüge nach Kalifornien genommen haben, ehe die Pacific Railroad existirte.

XXVI.
VON SALT LAKE CITY NACH NEW YORK.

Frömmigkeit und Prellerei. Emigrantenzüge. Die Prairien. Omaha. Eine unangenehme Nacht. Präsidentenwahl zum Zeitvertreib. Niagara Fall und Stadt. Das Amerikanische und das Kanadische Ufer. Praktischer Sinn der Niagarenser. Herbstliche Färbung.