Unser Schwimmbad ist noch ziemlich leer. Einige Jungen vergnügen sich damit, einander zu tauchen und von einem niedrigen Felsen herab ins heisse Wasser zu springen, und ein altes runzeliges Weib mit kahlgeschorenem Kopf hockt nackt am Ufer und gafft uns affenartig entgegen.

Wir suchen eine passende Stelle zum Auskleiden auf dem fortwährend bethauten und feuchten Rasen, wobei wir wieder Acht haben müssen, die vielen heissen Löcher zu meiden, welche allenthalben unter Farngestrüpp verborgen sind und ihre Anwesenheit nur durch das brodelnde Geräusch verrathen. Es kostet etwas Ueberwindung in der kühlen Winterluft sich zu entblössen. Zähneklappernd kriechen wir über das nasskalte Gras hinab, da die vielen spitzen Steine ein freies Auftreten verbieten, und erschrecken über die Hitze des Wassers sobald wir es mit dem Fusse berühren. Aber wir gewöhnen uns an diesen Gegensatz, wagen uns immer tiefer hinein, trotzdem uns oft die Hitze den Athem stockt, und fühlen uns nach längerem Aufenthalt ganz behaglich in dem warmen Medium.

Die Temperatur wechselt jedoch beständig. Kältere und heissere Strömungen von Quellen, die aus dem Grunde kommen, kreuzen sich nach allen Richtungen, und oft fühlen wir uns attakirt von einer so brennenden Hitze, dass wir schleunig die Flucht ergreifen. Als ich einmal mit dem Thermometer ins Bad ging, schwankte an ein und demselben Punkte die Quecksilbersäule ohne zur Ruhe zu gelangen fortwährend zwischen 37 und 44 Zentigraden auf und nieder bei einer Lufttemperatur von 10 Zentigraden. Weiter gegen den See zu wird das Wasser kälter, und näher dem inneren Ende der Bucht und dem Geyserkessel, da wo die Maoris noch mit dem grössten Vergnügen kopfüber hineinspringen, ist es so heiss, dass ein normaler Europäer sich dieser Stelle nur allmälig nähern kann.

Der Boden ist Schlamm, durch welchen weiche Felsenspitzen emporstehen. Ein etwa drei Meter tiefes Loch, 20 Schritt lang und 10 Schritt breit, gewährt die Möglichkeit sich im Schwimmen und Tauchen zu üben, was jedoch manchmal unangenehm ist, da heftigere Bewegungen das Gefühl der Hitze vermehren.

Haben wir das Bad genügend nach allen Dimensionen explorirt, so suchen wir eine seichtere Stelle, setzen uns und erwarten die Ankunft der Damen und der übrigen Gesellschaft. Ganz Ohinemutu ist voll von Lärm und Lustbarkeit, und aus allen Hütten und hinter jedem Gebüsch erschallen laut lachende und schreiende Stimmen. Dampfwolken ziehen langsam dahin die Szenerie verschleiernd und wieder enthüllend. Die Dämmerung senkt sich hernieder, die ersten Sterne beginnen zu funkeln, und eine zauberhafte Stimmung bemächtigt sich unser, die wir im schönen weichen Grundschlamm sitzen und bis zum Kinn von warmem Wasser umspült sind. Man darf sich übrigens nicht zu tief in den Schlamm eingraben, sonst kann es passiren, dass plötzlich ein heisser Wasserfaden sehr unangenehm überraschend von unten hervorbricht. Für gewöhnlich sind dem Gesetz der Schwere entsprechend die unteren Schichten nicht so warm wie die oberen, und man mildert die brennende Hitze der oberen dadurch, dass man mit den Händen kühleres Wasser von unten emporfächelt.

Um die nächste Ecke biegt ein braunes Mädchen mit einem Handtuch über der Schulter, bleibt stehen, lächelt uns grüssend zu und besinnt sich und kokettirt ein wenig, als ob sie sich schämte, vor uns ins Bad zu steigen. Gleich darauf kommen drei oder vier andere Mädchen mit Handtüchern und machen es ebenso. Auch sie besinnen sich und kokettiren ein wenig. Aber nicht lange, und ehe sichs unsere Blicke versehen, sind sie im Wasser und schwimmen zu uns heran. Ein Schal und ein Hemd ist ihre ganze Bekleidung. Mit einer rühmenswerthen Geschicklichkeit wissen sie das letztere gerade nur so weit zu lüften als nothwendig ist, je tiefer sie sich ins Wasser begeben, und zuletzt rasch über den Kopf zu streifen und aufs Ufer zurück zu werfen ohne es nass gemacht zu haben.

Manchmal behalten sie ihr Hemd am Leibe um es auf diese Weise, das Nützliche mit dem Angenehmen vereinigend, zu waschen und stürzen sich mit einem kühnen Salto vom Felsen herab. Sie schwimmen und tauchen vorzüglich, und ich kenne eine braune Schöne von vielleicht 16 Jahren, deren Name Rahia heisst und auf ihrem Oberarm in römischen Lettern eintätowirt ist, welche damals täglich mit weissen und braunen Männern um die Wette schwamm und jedesmal den Sieg davontrug.

Rahia ist auch anthropologisch nicht uninteressant. Denn sie besitzt statt schwarzer dunkelbraune Haare mit einem Stich ins Röthliche, während ihre Haut denselben angenehm satten Ton, wie die der Genossinnen zur Schau trägt. Solche Abweichungen in der Farbe des Hauptschmuckes sind übrigens nicht gar selten, und bei zwei anderen Mädchen bemerkte ich einmal sogar hellere und dunklere Partieen neben einander auf demselben Kopfe.

Rahia ist nicht hübsch, wenn man ihr auf dem Trockenen begegnet, wo sie immer ein sehr ernsthaftes Gesicht macht. Im Wasser aber wird sie reizend durch ihre Geschmeidigkeit und die lebhafte Freude, die ihr die Ueberlegenheit im Schwimmen und Tauchen sichtlich bereitet. Sie weiss auch alle möglichen Kunststücke zu machen. Erst stürzt sie sich einigemal im durchnässten Hemd, welches sich verrätherisch an ihre jugendlich runden Formen schmiegt, von oben herab ins heisse Wasser. Dann formt sie grosse Luftblasen mit ihrer Gewandung und lässt sich ruhig auf dem Rücken liegend wegtreiben, taucht unter und nach wenigen Sekunden wieder auf gerade da wo man sie am wenigsten vermuthet. Wir werden von hinten mit Schlamm beworfen und wenn wir uns umdrehen ist niemand zu entdecken. Ein zweites Schlammgeschoss besudelt unseren Nacken aus entgegengesetzter Richtung. Unter den überhängenden Farnen des Ufers aber taucht Rahia empor und sieht uns so gleichgültig an als ob nichts vorgefallen wäre. Denn sie ist die Thäterin, wofür sie auch tüchtig angespritzt und getaucht wird.

Das Bad füllt sich mit Gästen. Männer jeglichen Alters, Weiber mit Säuglingen auf dem Arme oder in einem Sack um die Schultern gehängt, Mädchen und Jünglinge setzen sich nebeneinander und klatschen.