Ihre Konversation scheint sich häufig mit uns und unseren bleichen Gliedmassen zu beschäftigen, wie aus ihren Mienen und dem immer wiederkehrenden Wort »Pakeha« hervorgeht. Sie fühlen sich offenbar sehr geschmeichelt, wenn wir uns zu ihnen setzen, und will man einer Dame seine ganz besondere Aufmerksamkeit erweisen, so nimmt man ihr ohne viel Worte zu verlieren die nie fehlende Pfeife aus dem Mund, raucht selbst einige Züge daraus und steckt sie dann wieder an ihren Platz zurück.
Kinder und Jungen machen einen betäubenden Lärm, und auch sie möchten gern mit uns anbinden. Forschend welchen Geistes wir seien, nähern sie sich, und haben sie erst bemerkt, dass man ihnen freundlich gesinnt ist, so hat man auch gleich die ganze Schaar auf dem Halse, und jeder der kleinen braunen Frösche bemüht sich an uns emporzuklettern und auf uns zu reiten. »Kopai, kopai« (gut) suchen sie uns zu schmeicheln und um Geduld zu bitten. Unsere Armmuskulatur erregt grosses Interesse bei Alt und Jung, und sind wir im Besitze eines nur halbwegs anständigen Biceps, so können wir ihn nicht oft genug kontrahiren und unter Ausrufen der Bewunderung befühlen lassen. Nur hiedurch wurde ich darauf aufmerksam, wie weich und unausgebildet die Arme auch der robustesten Maoris sind, ganz im Gegensatz zu ihren ausserordentlich starken Unterextremitäten.
Nachdem wir auf solche Weise etwa eine Stunde im Bade zugebracht, verabschieden wir uns, indem wir den Nächstsitzenden die Hände reichen, und begeben uns wieder aufs Trockene. Der Gedanke in die frostige Luft hinauszusteigen hat etwas Abschreckendes. Aber wir sind so mit Wärme gesättigt, dass wir die Kühlung sehr angenehm empfinden, und die naheliegende Befürchtung eines Schnupfens oder eines Rheumatismus soll sich niemals erfüllen.
Die östliche von den beiden Landzungen, welche die eben beschriebene Badebucht bilden, ist eine höchst interessante Fundstätte von Maorialterthümern. Dort wären noch viele werthvolle Dinge für unsere Museen zu retten. Ehemals war sie bewohnt und ein Theil der Ortschaft. Jetzt ist sie »tabu« erklärt, geheiligt, verpönt oder wie man dieses allgemein polynesische Wort übersetzen will. Wahrscheinlich deshalb, weil die Wellenbewegung des Sees, unterstützt von der Wirkung der heissen Quellen, welche den ganzen Boden durchsetzen, sie allmälich hinwegspült. Erst ganz kürzlich sollen in einer stürmischen Nacht mehrere Hütten untergraben und verschlungen worden sein. Hie und da ragen noch vier Pfähle aus dem Wasser.
Es ist von den Maoris verboten, den Platz zu betreten. Ich habe dies gleichwohl mehrmals unbehelligt gethan. Zwei oder drei Hütten stehen noch unversehrt so da wie der letzte Bewohner sie verlassen hat, als er starb. Schwere Bohlen sind vor die verandaartige Frontseite gelegt und verrammeln den Eingang. Lüftet man sie um ins Innere zu blicken, so sieht man alle möglichen Geräthe herumliegen. Wurflanzen und Beile, Kochkessel und Trinkgeschirre alten und modernen Ursprungs sind auf den Boden gestreut oder hängen an der Wand. In einer Hütte sah ich sogar noch zwei Zahnbürsten und einen Kamm in dem Schilfgeflecht stecken. Alles ist tabu, und kein Mensch wagt diese Gegenstände zu berühren.
Aussen herum liegt ein ganzer Trödelmarkt von Ueberresten früherer Zeiten. Zerschlagene eiserne Töpfe, verrostete Flintenläufe, die Trümmer von Holzschnitzereien, Giebelverzierungen, Fratzenbilder, ornamentale Fensterläden und hundert andere Dinge. Auch glaubte ich unter dem Schutt ein Stück von einer grossen Holzschüssel mit einem Fratzengesicht als Handhabe von jener Art, wie sie einst für Menschenfleisch gebraucht wurden, gesehen zu haben. Alle die Schnitzereien zeigten das gröbere Gepräge jener früheren Zeit, als noch mit Muscheln statt mit importirten Messern gearbeitet wurde.
Nahe der Spitze stehen am Rande des Sees, von einem Phormiumgebüsch umgeben, fünf mannshohe Bildsäulen nebeneinander, und auch oben mitten im Dorf findet man deren vereinzelte. Es sind die Konterfeis besonders erlauchter Häuptlinge und Häuptlingsfrauen, Gesichter und Genitalien unförmlich gross und sehr komisch stylisirt.
An den meisten Speicherhäuschen ist vorne die Giebelspitze mit einer festgebundenen, etwa halbmeterlangen geschnitzten Menschenfigur geziert. Einige sind schon locker geworden und drohen zu fallen, andere liegen bereits auf der Erde und vermodern. Kein Mensch, auch die Regierung nicht, scheint sich um diese Schätze zu kümmern, und so stehen sie denn so lange bis sie eines schönen Tages der Wind umwirft und der vollständigen Verrottung preisgiebt. Ganz nahe dem Schwimmbad führt ein Steg über eine tiefere Schlucht, die mit dem stampfenden Kessel zusammenhängt. Diesen Steg bilden Bruchstücke eines alten Kriegskanuus, deren obere konvexe Seiten mit Basreliefs von rudernden Gestalten geschmückt sind.
Wie viel wäre hier noch zu retten, nicht blos auf dem Lande, sondern auch auf dem Grunde des seichten Sees. Wie gerne würde ich hier einen ganzen Wagen voll mitgenommen haben, wenn ich die Mittel dazu gehabt hätte. Aber es fehlte mir an Geld, und dann wäre auch die Auffindung und Feststellung der betreffenden Eigenthümer und ihre Befriedigung allzu zeitraubend und mühevoll gewesen.
Zwei Ausflüge sind in den Neuseeländischen Reisehandbüchern von Ohinemutu aus vorgeschrieben, nach Rotomahana (32 Kilometer) und nach Wakarewarewa (5 Kilometer). Ich besuchte letzteres zuerst und traf dadurch die richtige Reihenfolge aufsteigender Ordnung in den vier Hauptpunkten Tapuaeharuru, Ohinemutu, Wakarewarewa, Rotomahana.