Unsere Maoris benahmen sich keineswegs vertrauenerweckend. Bei jedem schärferen Windstoss, bei jedem höheren Wellengang fingen sie laut zu schreien an, debattirten unter einander und hörten nicht mehr auf den Kapitän. Dann schien es ihnen auf einmal zu gefährlich, durch die Mitte des Sees zu steuern, sie bogen gegen Land zu und setzten dadurch die ganze Breitseite den Wellen aus, welche auch nicht versäumten, sofort hereinzuschlagen und sie zur Beibehaltung des alten Kurses zu nöthigen. An einer vorspringenden Felsenzunge kamen wir dem Gestein so nahe, dass wir beinahe scheiterten. Kurz eine Gefahr nach der anderen drohte aus der Unentschlossenheit und Aufgeregtheit des braunen Piratengesindels, dem wir in die Hände gefallen waren. Ihre ganzen Navigationskünste, von denen die Neuseeländischen Reisehandbücher viel Rühmliches zu berichten wissen, äusserten sich mehr in einem ewigen wüsten Geschrei, einem ewigen rathlosen Hin- und Herfackeln, als in einer zweckmässigen ernsten Thätigkeit. Und zu alle dem waren die Kerls noch schmälich faul, ruhten gemächlich aus oder frugen uns durch Geberden, ob wir nicht auch einmal rudern wollten.

Die Landschaft ringsum war trotz des ungünstigen Wetters äusserst malerisch, und das dunkle Grün des Wassers wetteiferte mit dem noch dunkleren Grün des über Felsen hereinhängenden üppigen Busches an Kraft und Tiefe. Hie und da erhob sich ein einsamer scheuer Kormoran aus dem Wasser.

Nach etwa zwei Stunden näherten wir uns dem östlichen Ende des Sees, wo eine Bucht in südlicher Richtung sich zu einem Bache verjüngt, der aus dem Rotomahana herabkommt. An einer Stelle ist ein schönes Echo, welches der Maorisage zufolge den in den schroffen Wänden des Ufers hausenden Dämonen seinen Ursprung verdankt. Früher musste man hier ein kleines Opfer leisten, indem man Geld, Zigarren oder Tabak auf einen niedrigen Felsblock legte. Jetzt hatte sich diese alte Sitte so weit abgeschwächt, dass es genügte, ein Stückchen Farnkraut von unserer Streu im Vorüberfahren darauf zu werfen.

Am Eingang zu dem Bach von Rotomahana, ganz nahe dem Ziele, gabs abermals Streit. Es war spät geworden. Unsere Maoris wollten nicht mehr weiter gehen und in ein paar Hütten neben einer heissen Quelle bei guten Freunden übernachten.

Es war ihnen sichtlich darum zu thun, uns möglichst viel Zeit und damit auch möglichst viel Geld für sich abzugewinnen. Im Hintergrunde der buschigen Berge dampfte es gewaltig und vielversprechend empor, und das Wasser war bereits lauwarm, weshalb wir schon eine halbe Stunde früher unsere Trinkgefässe gefüllt hatten.

Wir bestanden darauf, noch heute an Ort und Stelle zu gelangen, und wenn wir auch das schwerere Gepäck bis morgen zurücklassen mussten. Die Maoris gehorchten wider Erwarten, wir stiegen aus und setzten die Reise zu Fusse weiter, während das Kanuu mit nur vier Mann den Bach hinauffahren sollte.

Aber ganz ohne Prellerei konnte es doch nicht abgehen. Der schmale Pfad im Manukagestrüpp setzt plötzlich über den tiefen Bach. Unsere halbnackten Führer wateten einfach durch, indem sie die Hüftenplaids etwas lüpften. Wir armen Europäer waren nicht so praktisch gekleidet und standen verlegen am Rande, während jene sich höhnisch erboten, für einen Shilling uns hinüberzutragen. Wir waren entrüstet ob dieser Frechheit. Sie waren unsere gemietheten Diener, jeder von den Kerls kostete uns per Tag fünf Shilling und die Verpflegung, und nun wagten sie noch uns extra zu brandschatzen. Gerne hätten wir uns der Stiefel und sonstiger Anhängsel entledigt, allein wir hätten sie sicher wegen ihrer Feuchtigkeit nicht wieder anlegen können. Wir wollten um keinen Preis nachgeben und beschlossen, auf das Kanuu zu warten. Drüben zündeten sich die streikenden Maoris ein Feuer an. Wir versuchten dasselbe herüben, aber nicht ein einziges Zündhölzchen war trocken.

Die Kälte wurde ungemüthlich und wir wurden weich und gewährten den Shilling. Die Maoris kamen und luden uns auf den Rücken. Indess, für mich war heute ein Unglückstag. Mein Bursche glitt aus, und ich lag abermals im Wasser. Dass er dennoch seinen einmal versprochenen Shilling erhielt, schien ihn sehr zu rühren, und von nun an war er die Aufmerksamkeit selbst.

Jetzt galt es eine der schwierigsten und gefährlichsten und schauerlichsten Partieen, die ich jemals gemacht, und wir bedurften jetzt doppelt einer ortskundigen Führung. Es war dunkel in dem Manukadickicht geworden. Die Maoris nahmen uns bei den Händen und zogen uns durch Dick und Dünn. Allenthalben begann es wieder zu brodeln und zu qualmen. Aus schwarzen Abgründen unten stampfte und hämmerte es drohend herauf, heisses Wasser spritzte uns ins Gesicht, und Dampfwolken benahmen jeglichen Blick, während wir, festgehalten und geleitet von den starken Armen der Wilden und willenlos ganz in ihre Gewalt gegeben, über morsche Mauerkanten und schlüpfrige Lehmabhänge vorwärtsstrebten, links und rechts, vor uns und hinter uns das Verderben. Ein einziger Fehltritt und wir kochten in einem der siedenden Kessel.

Durch das Manukagebüsch schimmerte eine weisse Fläche, es lichtete sich, und wir waren am Fusse der berühmten, herrlichen Sinterterrasse Tetarata. Wir schritten über ihren glatten Spiegel den jenseits errichteten Hütten zu, in denen wir übernachten wollten. Rechts dampfte der kleine See Rotomahana. Stimmen von Wasservögeln, deren nächtliche Ruhe wir störten, liessen sich in seinem Schilf vernehmen.