Ich schlief auf einem Sopha ein, und als ich erwachte, rattelte unter mir die Schraube. Die Balken stöhnten, und die Rowena stampfte und rollte auf die unverschämteste Weise. Ich kletterte auf Deck und fand schlechtes Wetter, Kälte und Regen und Gegenwind, ringsum die schwärzeste Nacht, dass man die Hand vor den Augen nicht sehen konnte.

Der Morgen kam. Wir steuerten den grotesken Felsenkuppen des Landes zu, die uns alsbald umringten, und ankerten in Merkury Bay. Unter einem brausenden Wasserfall lag eine Sägemühle in einer Schlucht, deren röthliche Wände zwischen dunklem Grün an Rotomahana erinnerten. Riesige Kauristämme schwammen davor im Wasser, die ersten und letzten die mir aufstiessen.

Wir hatten hier einen Passagier und dessen Gepäck zu landen, womit wir nicht weniger als eine Stunde verloren. Der Kapitän war zu faul selbst ein Boot flott zu machen, und vom Lande aus schien man seine Dampfpfeife nicht hören zu wollen. Endlich zeigten sich zwei Männer mit Riemen vor der Mühle, die sich dem Ufer näherten, machten sich erst daran ein altes leckes Fahrzeug auszuschöpfen und liessen sich dann langsam von der Strömung herabtreiben, ohne eine Hand zu rühren. Mit Stolz antwortete mir mein Nachbar bei Tisch, dem ich mein Staunen über diese Zeitverbummelung mittheilte, ich müsse bedenken, dass ich nicht in Amerika sei.

Wieder rattelten wir weiter. Die Rowena machte kaum sieben Meilen in der Stunde, aber sie wurde von ihrer Maschine ärger gestossen als der schnellste transatlantische Postdampfer. Das elende Fahrzeug erreichte erst in der Nacht den Eingang zu Auckland.

Es war stockfinster und nichts von all den schönen Inselvulkanen zu sehen, die den berühmten Hafen zieren, nicht einmal die Konturen. Nur Lichter, grössere von Leuchtthürmen und kleinere von Wohnstätten, blitzten allerwärts an unsichtbaren Ufern, und wir drehten uns zwischen ihnen durch.

Das Lichtergewimmel vor uns, welches die Stadt Auckland vorstellte, wurde etwas konzentrirter und rückte näher. Die Maschine stoppt, geht wieder an, stoppt nochmals, arbeitet rückwärts, stoppt und geht wieder vorwärts. Die Seeleute werden nervös, schreien und toben, rennen die auf Deck stehenden Passagiere um. Ein Licht rutscht ganz nahe aussenbords vorüber, wir sind am Pier. Noch ein bischen seemännisches Schreien und Toben, und der Dampfer ist mit Tauen festgemacht, ein Brett nach dem Bollwerk hinübergelegt, wir können aussteigen.

Auckland und die Schiffe des Hafens lagen bereits im tiefsten Schlummer, als ich durch den Schmutz des unangenehm langen Piers im Regen dahinpatschte nach dem nächsten Hotel, das mir aufstossen würde. Ein verdriesslicher Policeman, über dessen Gummirock das Wasser herabtriefte, stand im trüben Schein einer Gaslaterne und belehrte mich, dass das »Waitemata Hotel« gleich am Ende des Piers und an der ersten Strassenecke vor mir sei.

Ein braungelber Kerl von unbestimmbarer Rasse, in dessen Stammbaum die verschiedensten Völker des australasiatischen Völkerlabyrinthes zusammengewirkt haben mochten, öffnete mir auf mein lautes Klopfen, schimpfte ein wenig, worauf auch ich ein wenig schimpfte, um gleich danach in einem gemüthlichen Zimmer und in einem vortrefflichen Bett mich glücklich zu fühlen. Ich befand mich zum ersten mal wieder seit längerer Zeit in einem Haus mit steinernen Mauern. Die hohen kahlen Wände, die hohen Fenster mit den chinesischen Rouleaux aus Schilfgeflecht imponirten mir durch ihre Dimensionen. Mir war zu Muthe als ob ich in Europa, etwa in Italien wäre, und die Illusion zu vermehren schlug eine nahe Thurmuhr die zwölfte Stunde in einem Ton, den ich sonst nur im Lande der Zitronen gehört zu haben glaubte.

X.
AUCKLAND UND THAMES GOLDFIELDS.

Sehenswürdigkeiten. Das Northshore. Die Regenzeit hält ihren Einzug. Fahrt nach den Thames Goldfields. Goldgewinnungsprozess. Die Minen und der Schacht der United Pumping Association. Stürmische Rückkehr. Zwei vornehme Maoridamen vom Lande. Auf den Mount Eden. Die King Country und die Abolitionists. Reiseprojekte.