Die Ventilation wurde mittels eines Sturzbaches, der durch einen eigenen etwa 100 Meter tiefen Schacht zerstiebend herabfiel, bewerkstelligt. Die in einzelne Tropfen aufgelöste Wassermasse riss Lufttheilchen mit sich, welche als ein frischer Wind in die horizontal verzweigten Kanäle hineingestossen wurden.

Mit Freude begrüsste ich wieder das himmlische Licht, als wir dem finsteren Schachte entstiegen, nass vom Scheitel zur Zehe. Der Kuranui Manager hatte noch die Freundlichkeit, mir einige Goldspecimens und statistische Notizen von seiner Mine zu schenken. Dann kehrte ich befriedigt ins Hotel zurück.

Nachdem ich so das Wesentlichste gesehen, konnte mich bei dem ewigen Regen und Stürmen und bei dem unwegsamen Zustand der Umgebung nichts mehr an Grahamstown fesseln.

Als ich jedoch am nächsten Morgen wieder auf dem Durham mich einschiffen wollte, hatte eine Sturmfluth das Pier und die unteren Theile der Stadt überschwemmt, so dass man bis zu den Hüften im Wasser waten musste, um die nächste trockene Strasse zu erreichen. Oben in einem Wirthshaus fand ich den Kapitän, der durch die Ueberschwemmung von seinem Schiff abgeschnitten war und bedenklich zweifelte, ob er bei solchem Wetter heute noch die Rückfahrt nach Auckland wagen sollte. Zum Glück klarte der Himmel sich auf, der Sturm legte sich etwas, die Fluth lief ab, und wir lichteten Anker, um eine sehr ungemüthliche Reise anzutreten.

Alle die wenigen Passagiere bis auf zwei Maoridamen und mich waren nach der ersten Viertelstunde intensiv seekrank. Der kleine Durham sprang und schlenkerte ganz verrückt, und seine Schraube arbeitete mehr in der Luft als im Wasser.

Die zwei Maoridamen waren aus Ohinemuri, wie mir der Steward sagte, und von hoher Abkunft, wie ihre stark tätowirten Lippen und Kinne bewiesen. Sie mochten etwa 40 Jahre zählen und waren dementsprechend runzelig. Haifischzähne mit rothen Siegellacktropfen in den Ohren, Grünsteinfratzen mit Perlmutteraugen als Amulette am Halse, falsche europäische Brasselets und Ringe um das Handgelenk und die Finger, alte Mäntel aus Phormium, mit rothen Troddeln und schwarzen Fransen bespickt, um die Schultern, darunter grellrothe wollene Unterröcke und schmutzige Hemden, ungekämmtes wallendes kohlschwarzes Haar, ohne Kopfbedeckung und baarfuss, die Waden mit einem Muster aus kleinen Längsstricheln tätowirt – so repräsentirten sie den Typus vornehmer Häuptlingsfrauen vom Lande. Auch sie husteten beständig, kein Wunder bei der herrschenden Kälte und bei ihrer leichten Bekleidung.

Im Anfang versuchten sie, nach Pakeha-Art auf dem Sopha zu sitzen, aber sie quälten sich nicht lange damit, sondern rutschten herab auf den Boden, wo sie sich entschieden viel wohler fühlten, zumal als der Durham immer heftiger zu springen begann, was ihnen keine geringe Furcht einzuflössen schien. Als wir nach einiger Zeit unter dem Schutz einer Bergwand in ruhigere See kamen und an das Dinner denken konnten, waren sie nicht zu bewegen, am Tisch Platz zu nehmen. Sie blieben auf dem Boden und liessen sich dort serviren. Sie bedienten sich übrigens der Gabeln und Messer in geziemender Weise, und als sie fertig waren, zogen sie schmutzige Thonpfeifen aus dem Busen und rauchten.

Nur ein einziger Ausflug wurde mir noch vom Wetter vergönnt. Der Isthmus von Auckland ist bekanntlich eines der grossartigsten vulkanischen Gebiete der Erde. Gleich hinter der Stadt erhebt sich ein noch ganz deutlicher alter Vulkan, der Mount Eden. An einem trüben Sonntag, an dem es ausnahmsweise nicht regnete, machte ich diesem meinen Besuch.

Sobald man die geschlossenen Reihen der Häuser hinter sich hat, beginnt der Weg stetig anzusteigen, und je weiter man geht, desto ausgedehnter wird die Fernsicht. Die Lavaschlacke bildet ein vortreffliches Material zur Strassenbeschotterung und nur ihr verdankte ich die Möglichkeit vorwärts zu kommen. Denn wo sie auf kurze Strecken des Weges fehlte, war der Lehmboden zu einem beinahe unüberwindlichen Brei erweicht.

Ich war schneller oben am Rande des Kraters als ich erwartete. Das Innere des Trichters ist jetzt ebenso wie die äussere Böschung mit europäischem Gras bewachsen, den Grund desselben bedecken Lavablöcke. Der Berg war ehemals ein grosser Maori-Pa und ist von seinen einstigen Bewohnern her ringsum terrassirt. Allenthalben ist der Rasen mit Muschelbruchstücken, den Ueberbleibseln ihrer Mahlzeiten, besät. Pferde und Kühe weiden jetzt, wo einst stolze Häuptlinge hinter kunstvollen Befestigungen ihrer Feinde spotteten und ihnen Wolfsgruben bereiteten, von denen einige noch erhalten sind, falls die betreffenden Vertiefungen nicht als Kochstellen oder zu anderweitigen physiologisch-hygienischen Zwecken gedient haben.