Etwa sechsmal im Jahre ohne bestimmte Ordnung befahren von Auckland aus Segelschiffe die Tonga- und die Samoa-Gruppe. Sie laufen je nach Wind und Wetter und je nach den Geschäften die Inseln Tongatabu, Nemuka, Hapai, Wawau, Haiwawa und Upolu an, um Tauschhandel mit den Eingeborenen zu treiben, und für ihre Aexte, Messer, Baumwollenzeuge und Schmucksachen Kokosnüsse einzunehmen. Zweimal schien mir eine derartige Gelegenheit zu winken, aber immer wieder wurde die Abfahrt auf ungewisse Zeit verschoben. Der Kapitän einer kleinen Brigantine aus Sydney, welche nach Tonga gehen sollte, suchte mich zu überreden, mit ihm zu kommen und mich auf Tonga als Arzt zu etabliren, es sei dort noch keiner vorhanden, und er habe von den dort gebietenden Wesleyanischen Missionären den Auftrag, einen solchen zu beschaffen. Die schwarze Gesellschaft passte mir aber nicht, wenn ich mich auch zu einem längeren tonganischen Aufenthalt hätte entschliessen können. Der Titel »Wesleyan« hat in der Südsee denselben Beigeschmack wie bei uns »Jesuit«. Gerade Tongatabu soll ein Hauptnest dieser englischen Hierokraten sein, wenn auch dem Namen nach der eingeborene King Georges über die Tonga-Inseln regiert.
Als warnendes Beispiel, wie wenig hier zu Lande auf Versprechungen von Schiffsgelegenheiten zu geben sei, dienten mir übrigens auch meine beiden Franzosen im Waitemata-Hotel, welche bereits seit drei Monaten auf ein Schiff nach Tahiti warteten, das man ihnen eben so lange in Aussicht gestellt hatte. Erst nach zwei weiteren Monaten kamen sie wirklich fort, wie ich zu Honolulu aus einer Auckland-Zeitung erfuhr.
Unter solchen Umständen wandte ich meine Gedanken wieder mehr den Postdampfern zu, um ohne weitere Abenteuer nach Hause zu fahren. Neuseeland hatte damals monatlich zwei europäische Posten, welche unbequemer Weise fast zur selben Zeit, nur mit einigen Tagen Unterschied eintrafen und abgingen, die eine westlich über Australien und Indien, die andere östlich über Kalifornien. Der letztere Weg ist etwas kürzer als der erstere, aber zugleich auch kostspieliger.
XI.
VON AUCKLAND NACH KANDAVU.
Die Pacific Mail. Auf der City of San Francisco eingeschifft. Beschreibung des Dampfers und seiner Attribute. Aeusserer Glanz und innere Dürftigkeit. Die chinesischen Mahlzeiten. Gang der Reise und Wetter. Der vierte Juli. Reiseplanzweifel.
Die Postdampfer von San Francisco, welche monatlich einmal zwischen Kalifornien einerseits und Neusüdwales und Neuseeland andererseits verkehren, berühren als Zwischenstationen Honolulu und Kandavu.[6]
[6]: Dies hat sich seitdem geändert. Die Postdampfer gehen jetzt direkt von Sydney nach Auckland und von da, ohne Kandavu zu berühren, direkt nach Honolulu.
In Kandavu ist ein Knotenpunkt der Linie, indem hier die beiden Zweiglinien Neusüdwales und Neuseeland sich vereinigen. Der Dampfer von Neuseeland trifft in Kandavu mit dem Dampfer aus Neusüdwales zusammen und übernimmt dessen Passagiere und Post, um sofort nach San Francisco weiterzugehen, während jener auf den zwei Tage später fälligen Dampfer von San Francisco wartet, um dann Post und Passagiere dieses, der direkt nach Sydney geht, für Neuseeland zu übernehmen, so dass also jeder Dampfer auf seiner dreimonatlichen Reise den Weg San Francisco, Honolulu, Kandavu, Sydney, Kandavu, Auckland und andere Häfen an der Ostseite Neuseelands, Kandavu, Honolulu, San Francisco beschreibt.
Früher gab es vorübergehend eine Dampferlinie zwischen San Francisco und Neuseeland, welche in Levuka, der Hauptstadt von Viti, anlegte. Dieser Platz ist von der gegenwärtig auf dem Stillen Ozean herrschenden Pacific Mail Steam Shipping Company mit der Angaloa Bay Kandavus vertauscht worden, theils weil der letztere Hafen günstiger liegt als Levuka, theils weil die Gesellschaft an der Angaloa Bay Landbesitz hat, den sie durch ihre Dampfer zu heben hoffte.
Die Pacific Mail Steam Shipping Company, die ihren Schwerpunkt in der japanesisch-chinesischen Linie hat, arbeitete damals mit fünf Schiffen auf der weniger bedeutenden und weniger rentablen australischen Linie. Die zwei älteren dieser Schiffe, die Zealandia und die Australia, welche in England gebaut waren, fuhren unter englischer, die drei neuesten in Philadelphia gebauten, die City of New York, die City of San Francisco und die City of Sydney, unter amerikanischer Flagge. Bekanntlich dürfen ja nur solche Fahrzeuge die Flagge der Vereinigten Staaten tragen, welche von einer Werft der Vereinigten Staaten stammen.