Sie nahm das weißseidene Unterkleid über den Arm und schickte die Mägde in die Küche. –
Am nächsten Tag um die Mittagstunde kam ein Segel auf Hanakes Haus zu.
Die Singende Seemuschel sagte zu Hanake, die im Purpurkleid auf der Altane saß und weiß und rosa geschminkt war, so dick gepudert und geschminkt, als verbärge sie das Gesicht hinter einer rot und weißen Maske:
«Das ist nicht der Prinz, der da kommt. Denn ich sehe nur ein Segel, Herrin, und Ihr sagtet gestern nacht voraus, es würden hundert Segel kommen. Alles, was Ihr sagtet, als Ihr von den Toten erwachtet, ist eingetroffen. Wenn aber der Prinz nur in einem Boot kommt, dann habt Ihr Euch geirrt, weil Ihr von hundert Booten gestern redetet.»
«Schweig und empfange den Prinzen», sagte Hanake mit einer fast männlichen Stimme, die die Magd nie an ihr gehört hatte. «Geh mit allen Mägden und allen Dienern dem Prinzen zur Landungsbrücke entgegen, denn ich kann noch nicht gehen, meine Füße zittern noch. Ich kann den Prinzen nur hier im Hause empfangen.
Als ich im Tode lag unter den Toten, aber mit meinem Geliebten nicht vereinigt war, fragte meine Seele alle Toten:
‚Was habe ich getan, daß ich meinen Geliebten nicht unter den Toten finde?‘
‚Du hast noch dem Leben verweigerten Gehorsam zu geben,‘ sagten die Toten, und ich erwachte wieder.
Ich weiß es, ich habe gefrevelt. Ich habe meinen Leib einem Prinzen, einem Sohn des Himmels, entziehen wollen und habe einen andern Mann umarmt. Aber der Geliebte konnte meinen Leib nicht mit in den Tod nehmen weil ich erst lernen mußte, dem Leben zu gehorchen.»