Die Magd weinte über Hanakes Worte. Aber Hanake verbot es ihr und sagte:
«Wir wollen nicht neuen Ungehorsam auf dies Haus laden. Ich darf nicht weinen, wenn ich auch bis an die Augen voll Trauer bin. Meine Füße aber zittern, und ich kann dem Prinzen nicht entgegen gehen. Ich kann meine Füße noch nicht zum Gehorsam zwingen.
Wenn der Prinz dich fragt: ‚Wo ist Hanake?‘, sage, und laß dir nichts merken, sage: ‚Verzeihung, Sohn des Himmels, meine Herrin trauert um ihren toten Lieblingspapagei. Aber wenn meine Herrin des Prinzen Angesicht sieht, wird ihre Trauer zur Freude werden und doppelt glänzen, wie dein weißes Segelboot, o Herr, im Biwasee.‘» –
Und wie der Schiller auf starrem, poliertem Porzellan glänzte Hanake bis zum Abend, so lange der Prinz in ihrem Hause war und mit ihr spielte. Und auch als sie ihr Scharlachkleid öffnete und ihren kleinen weißgepuderten Leib nackt in die Arme des Prinzen legte, sang sie Lieder und zwitscherte mit den Lippen. Der Prinz sagte am Abend:
«Dein Leib ist mir lieb, weil er kühl ist wie die Schneeflocken und mich aufweckt wie die Kälte am Wintermorgen.
Und nun singe mir noch zum Abschied das Lied vom Biwasee, das nur auf weiße Seide geschrieben werden darf.»
Die Singende Seemuschel saß hinter der Papierwand im Nebenzimmer, wo sie die Gitarre spielen mußte, so lange der Prinz die nackte Hanake umarmte. Aber als die treue Magd hörte, daß der Prinz das Lied von ihrer Herrin verlangte, das nur eine sehnsüchtig Liebende singen darf, da konnte sie sich nicht mehr des Schluchzens erwehren. Und während die Hände der Singenden Seemuschel auf der Gitarre spielten, wimmerte ihre schluchzende Brust.
Hanake, die in ihr Scharlachkleid schlüpfte, raschelte mit der Seide, damit der Prinz das Wimmern der Magd nicht höre. Dann wollte sie singen. Aber der Prinz fragte, ehe sie begann:
«Weint jemand hinter der Wand?»
«O nein», lächelte Hanake, «das sind nur Brieftauben, die ich in einem Käfig halte, und ihre Kröpfe glucksen, weil sie zu viel gefüttert wurden.»