«Ich glaube, ich komme von den Toten.»

Dann sprach sie lange nicht mehr. Sie sah nicht den toten Papagei. Sie weinte nicht über den Tod ihres Geliebten. Sie ließ sich von der Magd umkleiden, und als ihr diese ein Hauskleid bringen wollte, sagte sie, und ihre Augen sahen durchdringend durch die geschlossenen Wände des Hauses:

«Ich sehe im Abend Boote von Yabase kommen. Ich sehe, man bringt mir ein rotes Scharlachkleid, wie es die Hofdamen tragen. Aber die hundert Segel, die jetzt von Yabase kommen, zeigen in den Segelfalten keine Schriftzeichen mehr. Jedes Segel ist glatt wie eine leere Hand. Hundert leere Hände kommen in mein Haus.

Bringe mir ein weißseidenes Unterkleid, Singende Seemuschel, damit ich das rote Scharlachkleid, das man mitbringt, darüber ziehen kann.»

Die Magd widersprach ihrer Herrin nicht. Sie öffnete nur ein wenig die Schiebewand nach dem See. Aber sie sah keine Lichter von Booten in der Nacht draußen, kein Bootskiel rauschte im Wasser, nur das Schilf zischte unten um das Haus und in der Ferne um den Landungssteg.

Hanake ist hellsehend geworden, dachte die Magd. Dann ging sie durch die Kammern des Hauses nach den Wandschränken, wo die Kleider gefaltet in großen Lacktruhen lagen. Sie ließ sich von zwei Mägden leuchten. Und die eine Magd erzählte halblaut:

«Wißt ihr schon, unsere Männer, die zur Nachtzeit aus Yabase herüberkamen, sagten, man erzählte sich in allen Teehäusern, daß der Freund eines kaiserlichen Prinzen von einem Europäer auf dem See erschossen worden sei. Der blutige Körper des Toten wurde in Yabase auf den Kies gespült, und heimkehrende Boote haben gesehen, wie der fliehende Europäer, der Wildenten im Schilf gejagt hat, durch einen Fehlschuß den Freund des Prinzen tötete. Der Prinz selbst kam dann an das Ufer, wo die Leiche seines Freundes lag. Der Prinz hat seinen Freund lange angesehen, aber nicht geweint, sagen die Leute. Er hat gefragt, ob in der Nacht noch jemand über den See fährt; und als er hörte, daß unsere Männer noch über den See fuhren, sandte er eine kleine Kleidertruhe und ließ sie in das Boot unserer Männer stellen. Die Truhe ist für Hanake. Morgen, ehe die Sonne im Mittag steht, wird der Prinz selbst zu Hanake kommen, sagte ein kaiserlicher Diener heimlich zu unsern Männern.»

«In der Truhe ist ein rotes Scharlachkleid für Hanake», sagte die Singende Seemuschel zu den Mägden.

«Woher weißt du das?» fragten beide Mägde erstaunt. «Niemand durfte bis jetzt in die Truhe sehen.»

«Wir wissen das bestimmt», nickte die Gefragte.