Und wie er ruderte, schien es ihm, als würde der See in der Tiefe hell.
«Sieh jetzt um, über deine Schulter in dein Netz; und alles, was darin ist, wird deine Samuraiarbeit sein.»
Kiri sah hinter sich den ganzen weiten See von den Maschen eines riesigen feurigen Netzes leuchten. Drinnen in dem Netz lagen die zerstückelten Leichen von abendländischen Offizieren, Arme, Beine, Köpfe, Kanonenrohre, Bajonette, blutig, zerschossen, zerfetzt und zertrümmert. Es war, als schleife das feurige Netz den ganzen See wie ein zuckendes Schlachtfeld hinter sich her.
Es schauderte Kiri. Entsetzt ließ er die Ruder ins Wasser fallen. Das niedrige Gemüt des Fischersohnes überwältigte ihn. Er griff nach einem Fischbottich, der auf dem Grunde des Bootes stand, und stülpte ihn über seinen Kopf, um nichts mehr zu sehen. Er klapperte mit den Zähnen, daß der Bottich dröhnte, und getraute sich mit seinem Kopf nicht mehr aus seinem Versteck heraus. Er wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören, bis ein paar Fäuste von außen an den Bottich trommelten und ihn die Stimme seines Vaters anrief:
«Kiri, bei allen Göttern, was treibst du, Junge? Wo hast du dein Netz gelassen? Wo sind deine Ruder?»
Kiri zog vorsichtig seinen Kopf aus dem Versteck. Er sah im Morgendampf den Vater im Strohmantel vor sich in einem andern Boot, und viele Boote waren um ihn versammelt. Aber keiner der andern Fischer lachte ihn aus. Es schien, als hätten sie alle dasselbe erlebt, denn alle waren bleich, und alle waren ernst. Alle Boote drängten nach den Ufern; Boote, die sonst wochenlang draußen zu liegen pflegten, – alle kamen in Scharen herbeigeströmt, und die Frauen der Fischer trippelten am Ufer, jede mit einem Kind auf dem Rücken bepackt, und jede umgeben von einem Kinderkreis. Aber der Uferlinie entlang standen im Morgennebel die rauchenden Scheiterhaufen von großen Signalfeuern, die man angezündet hatte, um die Fischer von draußen ans Land zu rufen.
Und nun sah Kiri, wenn der Morgenwind die Rauchwolken zur Seite rückte, Gruppen von kleinen japanischen Offizieren und Soldaten in europäischen Uniformen. Bajonette blitzten im Morgennebel, und hie und da leuchteten rot und gelb und golden im Morgengrau die Borten und Uniformaufschläge an den Soldaten.
«Kiri, du mußt in den Krieg», sagte der Vater. «Heute hat Japan den Krieg mit Rußland angefangen, drüben über dem chinesischen Meer in der Mandschurei.»
«Ich bin kein Samurai! Ich will nicht in den Krieg», sagte Kiri. «Ich habe schreckliche Träume heute nacht gehabt. Ich habe Netz und Ruder dabei verloren. Ich will nicht in den Krieg und auch noch den Kopf verlieren.»
«Du wirst nicht gefragt, ob du willst. Du mußt in den Krieg! Heutzutage sind alle Männer, die einen rechten Arm und einen linken Arm, ein rechtes Bein und ein linkes gesundes Bein am gesunden Leib haben, Samurais. Du bist glücklicher als ich, mein Sohn. Zu meiner Zeit war das nicht so, und wir armen Fischer bekamen kein Schwert vom Kaiser von Japan zugeschickt. Drüben am Ufer stehen die Soldaten, die dir vom Kaiser einen neuen Anzug und kaiserliche Waffen bringen. Geh in den Krieg, mein Sohn! Dort bekommst du auch das Brot des Kaisers zu essen. Das ist ein Brot, das jeden Japaner mutig und unsterblich macht.»