Die Schulklasse eines jeden Lehrers war nicht groß und saß in je einem Kahn. Nun wird in Ozu erzählt: Die heiße Mittagsstunde kam, und die Kähne befanden sich auf der Höhe des Sees, wo man fast keine Ufer sieht, nur den bläulichen Hitzedunst in der Ferne. Die beiden Kähne schienen zwischen Himmel und Erde wie zwei abgeschossene Pfeile durch die Luft zu gleiten. Blau verschmolzen lagen der glatte Himmel und das glatte Wasser beieinander.

Da verwandelte sich vor den Augen der Kinder der See in jene unwirklichen Wiesen, wie sie sonst auf Bildern glatt gemalt und grünspanfarbig zu sehen sind. Kirschbäume stiegen auf, als käme der rosigste Frühling noch einmal in den Hochsommer herein, und kleine Mädchen in taubenblauen Gewändern klatschten rhythmisch in die Hände und umwandelten die dunkeln Silhouetten der Kirschbaumstämme. Bald gaben sie sich die Hände, bald breiteten sie die Arme. Einige knieten, andere glitten im Kreis um die Knieenden.

Die Lehrer und die Knaben konnten glauben, sie seien mit den Kähnen unter Kirschbäumen gelandet, in einer Seegegend, wo die Kirsche erst im Hochsommer blüht, und wo die Mädchen den Frühlingsgottheiten eine Tanzzeremonie ausdenken, um der lächelnden Kirschblüte zu huldigen.

Kein Knabe war zu halten. Alle verließen die Boote, liefen auf die Wiesen, kauerten im Kreis unter den Kirschbäumen und begleiteten mit rhythmischem Händeklatschen die Mädchenfüße.

Aber Kinder, die nichts vom Glückswechsel und von Beherrschung der Glücksekunden verstehen, können auch nicht auf den Augenblick der Windstille nach der Brise von Amazu achten.

Die lebhafte Brise, die mit den Kleidern der Kinder spielte, mit den äußersten Spitzen der Kirschbäume, mit den glitzernden Grashalmen der grünspanfarbigen Wiesen, legte sich plötzlich, und tiefe Lautlosigkeit trat ein. Vergeblich schrien die beiden Lehrer aus jedem Boot den übers Wasser wandernden Kindern zu: Kinder sind taub, wenn sie spielen. Kein Knabe kehrte zurück, als die Brise von Amazu sich legte.

Wie wenn ein Spiegel einbricht und die Glassplitter trübes Glasmehl werden und kein Gesicht mehr hergeben, das hineingeschaut hat, so blieben alle Schulkinder im See verschwunden.

Die beiden Schullehrer kamen drei Tage später, nachdem sie den ganzen See abgesucht hatten, ohne Kinder zurück nach Ozu, wo der Jammer um die verschwundenen Schulklassen so groß war, daß viele Väter noch in derselben Nacht Selbstmord begingen und viele Mütter hinaus zum See stürzten und sich ertränkten.

Auch der eine Lehrer, sein Name war Amagata, wurde am nächsten Morgen tot in seiner Wohnung gefunden, erwürgt von Nachtgeistern, sagten die Leute. Der andere aber mußte seine Schulstellung aufgeben und wurde Polizist.

Eines Tages beurlaubte sich dieser Mann, welcher Omiya hieß, und sagte, er wolle sich ein Mädchen zur Frau aus Amazu holen. Und als man ihn fragte, warum gerade aus Amazu, von wo doch das Unglück über ihn und Amagata gekommen sei, da schüttelte er nur den Kopf und sagte finster: «Auf Glück folgt Unglück und auf Unglück Glück. Darum muß das Mädchen, das ich liebe, aus Amazu sein und mir Glück bringen, weil ich dort mein größtes Unglück hatte.»