Wenige Tage später brachte Omiya auch wirklich auf seinem Kahn eine Frau aus Amazu nach Ozu, schloß sein Weib in sein Haus ein und zeigte es niemand.

Die Frau gebar einen Knaben. Der sah, als er größer wurde, dem ermordeten Lehrer Amagata auffallend ähnlich.

Nach der Geburt des Knaben trat eine Veränderung mit Omiya ein. Er vernachlässigte seine Frau, er vernachlässigte sein Haus, er vertrank sein Geld, er vermied es, sein Kind zu sehen, und trug immer in seinem Mund eine kleine, kalte Pfeife, die er nie anzündete, die er aber alle Augenblicke ausklopfte, als habe er sie ausgeraucht.

Dieses Klopfen der Pfeife des Polizisten Omiya war in ganz Ozu als Signal bekannt. Die Kinder flüchteten in die Häuser und versteckten sich hinter die langen Ärmel der Mütter, wenn am Ende der Straße das Klopfen der Tabakpfeife des Polizisten Omiya ertönte. Nachts schrien Knaben und Mädchen im Schlafe auf, wenn unter den Fenstern der Polizist vorüberging und seine Pfeife an die Hausecke pochte.

Ältere Leute, die nachts noch bei der Kerze lasen, löschten das Licht aus, wenn sie das Klopfen der Pfeife hörten. Junge Männer, die eben aus dem Teehaus heimgehen wollten, gingen bei dem unheimlichen Klopfen wieder in das Teehaus und bestellten sich eine neue Tänzerin und Reiswein, um nicht an das verrufene Klopfen denken zu müssen. Denn niemand in ganz Ozu wollte mit dem verrufenen Klopfen im Ohr einschlafen.

Aber mit dem feinen Takt der Japaner erzählte keiner dem andern in ganz Ozu, welche Plage ihm das Pfeifengeräusch des Polizisten verursachte. Jeder vermied, von etwas so Unangenehmem, wie die Vergangenheit und das Schicksal des Omiya gewesen, von neuem zu sprechen. Bis eines Tages ganz Ozu von Omiya erlöst wurde.

Es war in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, als der damalige Kronprinz von Rußland Japan bereiste und, gefolgt von verschiedenen japanischen Würdenträgern und begleitet von abendländischen russischen Offizieren, kam und den Biwasee von den Terrassen des Miideratempels bewunderte.

Es war am frühesten Morgen nach sechs Uhr, zu der Stunde, da die Japaner ihre vornehmsten Visiten machen. Der See lag wie ein großes silbernes Ei in der Sonne, – ein großes Silberei, das sich funkelnd um seine Längsachse drehte. Über die Häuser Ozus rieselte der Silberglanz und blendete die Augen der Menschenmengen, die in der Seestraße Kopf an Kopf standen und den ausländischen Prinzen sehen wollten, wie er in der Rikscha vom Miideratempel zurückkam, – den zukünftigen Kaiser jenes Landes, das so nah an Japan grenzte, und dessen Bewohner meistens hohe juchtene Stiefel tragen, so daß man hätte glauben können, alle die schwerbestiefelten Russen würden eines Tages dem kleinen Japan einen Fußtritt geben, daß es zerstampft sein würde wie eine Fliege auf der Diele.

Auch die Bewohner von Ozu, die in den Morgenstraßen aufgereiht standen, lächelten sauersüß, als dem russischen Kronprinzen vorauf in einigen Rikschas ein paar riesige, schwerbestiefelte russische Generäle fuhren, die während des Fahrens nichts von der Morgenschönheit des Biwasees zu bemerken schienen, sondern mit noch übernächtigen Köpfen wie feiste Dämonen in den kleinen Wagen saßen und halb eingeschlafen waren.

An einer Straßenecke war der Polizist Omiya in dunkler, europäischer Uniform postiert. Zum erstenmal hatte er seine Pfeife nicht in der Hand. Ein kleiner, kurzer Säbel hing an seinem Gürtel. Seine Mütze war tief in die Stirn gezogen, so daß ihn der glänzende Biwasee nicht blendete.