Ich gestehe dir dieses alles heute ein, weil du mir hundertmal versichertest, daß du mich mehr als Amagata liebtest.

Mein Kampf gegen Amagata ist aber erst ausgekämpft, wenn sein Sohn nicht mehr am Leben ist. Ich liebe dich. Darum töte Amagatas Sohn, wie ich für dich getötet habe.»

So sprach die Schrift des Kieselsteines zu der Frau.

Der Reis verbrannte am Feuer, das Zimmer füllte sich mit Qualm. Aber der Rauch verzog sich bald wieder, denn das Herdfeuer ging aus, weil die Frau es nicht mehr schürte und den großen, flachen Stein in ihrer Hand hin und her drehte und die Schrift, die winzig gekritzelte, entzifferte.

Es wurde Nachmittag. Die Frau las immer noch. Wohl wunderte sie sich manchmal, daß ihr Junge, der draußen auf dem See lag und angelte, nicht heimkam und Essen verlangte. Aber der Stein in ihrer Hand, der die tiefsten Geheimnisse zweier Menschenleben zu ihr redete, machte, daß sie bald wieder Zeit, Ort und Wirklichkeit vergaß.

Plötzlich weckte sie ein Gerede auf der Straße, Stimmen sprachen unter dem Fenster den Namen ihres Sohnes und ihren eigenen Namen. Die Stimmen rannten fort und kamen wieder. Füße und Stimmen drängten an ihr Haus. Die Schiebetüre teilte sich, und die Stimmen drängten herein und umsummten sie, und die vielen Füße traten zu ihr heran, und ebenso das Gemurmel. Und sie dachte einen Augenblick: Ist der Reis wieder übergekocht, weil es so laut wird? Da kamen Hände zu ihr, die ihre Hände streichelten. Vor ihr legte man ein nasses, in graue Segeltücher gewickeltes Paket hin. Das roch nach dem Grundwasser vom Biwasee.

Und die Frau mußte an den Wasserkampf zwischen Amagata und Omiya denken und an das Gemurmel und Geseufze und Gegurgel und Geschluchze der ertrinkenden Schulkinder rings um die beiden kämpfenden Männer, und an Omiya, der schwächer war und auch am Ertrinken war, und an Amagata, der sie zur Mutter gemacht hatte, gleichfalls an einem heißen Tag, draußen im Boot auf der Seehöhe, und der dann aus ihrem Schoß zu ihren Füßen hinrutschte und nach dem Liebeskampf auf einem Haufen Segeltuch sanft einschlief, und den sie dann zudeckte mit ihrem Gewand. Der See war ihr Hochzeitsgemach gewesen. Der See konnte ihr nichts Böses tun. Was der Biwasee tat, war wohlgetan.

War das Amagata oder Amagatas Sohn, der jetzt starr vor ihr lag in dem nassen Segeltuch?

Die Frau lüftete mit ihrer kleinen, abgearbeiteten Hand ein wenig das Tuch des nassen Paketes. Da sah sie ein Endchen von dem Kleidersaum eines Knabenrockes, den sie selbst genäht hatte.

Sie sah tränenlos hin, ohne Erstaunen, und sagte zu dem Gemurmel und zu den vielen Füßen, die rund um sie waren: