«Es ist Amagatas Sohn. Der See hat mir Amagata damals geschenkt. Warum soll ich nicht heute ihm meinen Sohn schenken!»
Und das Gemurmel um sie verging allmählich, und die vielen Füße um sie gingen aus dem Zimmer. Und es wurde still, als wäre das Feuer zum zweitenmal im Herd ausgegangen.
«Mein lieber Sohn», sagte die Frau, die neben dem ertrunkenen Knaben kniete, «siehst du, hier ist ein Kopfkissen aus dem Biwasee.»
Und sie schob dem Toten den großen, flachen Kieselstein, den sie immer noch in der Hand hielt, unter den Kopf.
«Ich sollte mich jetzt neben dich legen und für immer mit dir einschlafen, Kind. Der Biwasee war mein Hochzeitsbett. Er könnte auch mein Sterbebett werden, wie er deines geworden ist, Kind. Aber ich habe noch eine Rechnung zu machen. Dein Vater Amagata würde mich nicht als deine Mutter im Totenreich empfangen, wenn ich fortgegangen wäre von der Erde, ohne Omiya zu zeigen, daß ich immer Amagatas Willen tat. Auch wenn ich Omiya hundertmal sagte, daß ich ihn mehr liebte als Amagata, tat ich das, damit er Amagatas Kind nicht schlüge und Amagatas Kind nicht verhungern ließe.»
Dunkle Wasserflecken liefen von der nassen Segelleinwand über die Strohdiele der Stube. Und die untergehende Sonne leuchtete rot über den See draußen und rot über die Wasserflecken im Zimmer.
Die Frau nickte und saß weiß in dem abendroten Gemach, als könne ihr auch die Sonne kein Blut zum Weiterleben mehr geben.
Die Frau nickte und sprach: «Vergossenes Blut braucht nicht mit vergossenem Blut gerächt zu werden. Aber ich will Omiyas Seele in alle Winde ausschütten, daß sie nie mehr in seinen Körper zurückkehren kann. Ich will Omiyas Seele ausblasen, daß er hohl herumgeht und die Welt so leer sieht, als wäre der Biwasee ausgetrocknet. Und ein unendlich großes Loch ohne Glanz und ohne Welle soll den Platz von Omiyas Seele einnehmen.»
Die Nachtzikaden begannen vor den Fenstern zu singen, und die Seelandschaft draußen verflüchtigte sich in Dämmerung. Das kleine Zimmer mit der Leiche, mit der toten Asche auf dem Herde, mit den dunkeln Wasserflecken auf der Diele und mit dem regungslosen, blaßleuchtenden Frauengesicht neben der Leiche war etwas so Stilles im Weltraum, daß im Fensterrahmen die funkelnden Sterne am Nachthimmel dagegen wie gestikulierende, laute Menschengesichter waren, wie ein Volksgetümmel, das Kopf an Kopf mit glänzenden Augen vor den Fenstern ein Schauspiel erwartete.