«Was machst du da?» fragte Oizo noch einmal. «Ich hätte dich beinah nicht erkannt, Graswürzelein, weil du zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß bist.»
Graswürzelein prustete das Wasser aus ihrer Nase, wusch sich die andere Gesichtshälfte rein, und während sie sich mit dem Innenfutter ihres Ärmels Gesicht und Hände trocknete, fuhr sie den Maler ärgerlich an:
«Ich wollte gar nicht, daß du mich erkennen solltest. Als ich dich hier so plötzlich am Strand stehen sah, nachdem ich die Ofenasche in den See geworfen hatte, und ich dir nicht ausweichen konnte, wollte ich mir den Ruß vom Gesicht waschen, damit ich dir unkenntlich bliebe. Denn du hast mich ja nur ein einziges Mal gewaschen gesehen.»
Und wirklich, Oizo konnte das weiß gewaschene Mädchen kaum erkennen.
«Du sagst, ich hätte dich einmal gewaschen gesehen? Ich habe dich immer nur schwarz gekannt.»
«Doch, doch», nickte Graswürzelein. «Erinnerst du dich nicht, Meister, da ich dir auf einer Tonvase den Flug der Wildgänse von Katata beschrieb? Erinnerst du dich nicht? Es war im Mondschein. Du saßt auf dem Altan und ich am Ofen im Hof.»
«Du warst rot und blau beschienen», sagte Oizo, «wie die Muschel hier, die mondblau und feuerrot in meiner Hand irisiert und leuchtet. Das ist das Bild, das ich hier malen will. Ich will dein Gesicht malen, blau vom Mond und rot vom Feuer beleuchtet. Und darum bin ich nach Katata gekommen.»
Graswürzelein lachte einen Augenblick. Dann aber wurde sie sehr ernst.
«Nein», sagte sie und schüttelte den Kopf. «Du darfst nicht mehr in unser Haus kommen. Ich habe das Feuer zu schlecht geschürt, so lange du da warst, und ich habe meinem Vater zu viele Tonvasen verbrannt.»