«Über alles Männliche, was im Himmel, auf der Erde und im Wasser ist», sagten die Weisen. «Nur das Weibliche läßt sich nicht regieren.»

«Gut, dann soll der Mond, der dort aufgeht, untergehen», rief der König. «Wenn ich allen gebieten kann, dann soll der Mond nie mehr in meinem Reich erscheinen, ehe er mir geholfen hat, dieses Fischweib hier in ein Menschenweib zu verwandeln.»

Der König ließ das Fischweib binden und in sein Zelt legen, ließ Essen und Trinken in das Zelt stellen und ließ die Zeltvorhänge fest hinter sich zuschließen, so daß es finster im Zelt war wie in der Meerestiefe.

Die Weisen des Königs aber setzten sich mit des Königs Mannschaften rings um das Zelt draußen und waren sicher, daß der Mond nicht in dieser und in keiner Nacht mehr aufgehen werde. Aber der Mond kam wie immer und teilte sanfte Schatten und gelben Feuerschimmer über die Weisen und über das Zelt aus.

Der Mond kam auch in der zweiten Nacht und in der dritten Nacht. Am Anfang der vierten Nacht rief der König drinnen im Zelt, man solle die Zelttüren öffnen. Und der König trat heraus, und neben ihm an seiner Hand ging ein gesittetes schönes Weib. Das hatte Augen, so dunkel wie die mondleere Nacht, und hatte keinen Fischschweif, sondern zierliche Füße und war frisiert und in seidene Schleppenkleider gehüllt, wie es einer Königin geziemt.

Die Weisen waren erstaunt, daß der König ohne Hilfe des Mondes das Seeweib in ein Menschenweib verwandelt hatte. Denn während der Mond drei Nächte lang auf- und untergegangen war und sich nicht um den Befehl des Königs gekümmert hatte, hatten die Weisen drei Nächte lang für ihr Leben gezittert, weil sie des Königs Macht übertrieben hatten und in dem König den Glauben an eine Allmacht erweckt hatten, die er nicht besaß.

Jetzt aber waren die königlichen Weisen zufrieden, übertrieben des Königs Macht noch mehr und sagten zungenfertig:

«O König, Eure Macht ist noch größer, als wir dachten. Ihr habt ohne Hilfe des Mondes das Meerweib in ein Menschenweib verwandelt.»

Der König antwortete ihnen nicht, führte das Weib zu seinem Boot und befahl, daß man die Segel lichte, um von Hakatate heim nach Süden zur Königstadt zu ziehen und dort den Einzug der Königin zu feiern.