Auf dem roten Lackaltan des goldenen Boothauses saß die neue Königin schweigend neben dem König, sie, die noch keine Sonne und keinen Mond hatte aufgehen sehen, sie, die von ihrem Menschenleben nur die Liebesumarmungen des Königs kannte, sie, die drei Nächte und drei Tage an des Königs Brust gelegen hatte und, von des Königs Wunsch und Sehnsucht durchdrungen, aus einem Meerweib in ein Menschenweib verwandelt worden war.

Ihre Haare hatten sich von selbst geflochten, um dem König zu gefallen; in der Finsternis hatten sich Kleider um sie gewebt, damit sie für den König geschmückt erscheine. Sie hatte sich aus ihrem Fischleib Füße gebildet, um dem König folgen zu können, denn das starke Herz des Königs hatte drei Nächte über ihr gelegen und hatte sechzigmal in der Minute das Wort «Liebe» zu ihr gesagt.

Von der Liebe jetzt verwandelt, sah die Königin noch nicht das schaukelnde Schiff und noch nicht des Königs Gefolge und noch nicht sich selbst. Sie ahnte noch nichts von ihrer Verwandlung und saß noch in liebestrunkenem Zustande unbewußt neben dem König.

Da tauchte, rot wie ein großer Berg aus rotem Lack, die Mondkugel aus der Meerestiefe und zog im Wasser einen feuerroten Widerglanz hinter sich her wie einen feuerroten Schweif.

Die Weisen des Königs, welche unter dem Altanrand des Boothauses in der Bootstiefe saßen, hätten sich längst gerne bei der Königin eingeschmeichelt, fanden aber noch keine passende Anrede. Jetzt aber warf sich einer der Weisen vor dem König nieder und rief:

«Seht, Herr, der Mond trägt die Farbe der Scham, weil er zu schwach war, Euch zu helfen.»

Nun hob die Königin die Augen, und der Mond warf seinen Schein wie eine Umarmung über sie. Und der König wurde fast eifersüchtig, daß jemand im Weltraum wagte, sein Weib anzurühren, das er sich selbst geschaffen hatte.

Aber ein anderer Weiser, der den ersten überbieten wollte, warf sich vor der Königin nieder und rief:

«Seht, der Mond, o Königin, hat, um Euch zu gefallen, den Fischleib angezogen, den Ihr abgelegt habt. Er hat Euern roten Schweif und Eure roten Augen angenommen, die der König in die Meerestiefe schickte.»