Plötzlich sagte die alte Frau zu ihrem Mann:

«Ich weiß, womit ich die Götter jetzt versöhnen kann. Ich will mein Haar zum zweitenmal abschneiden und es den Tempelgöttern opfern. Die Götter sind gut und geben mir dann sicher einen Rat für unser Kind.»

Die Frau tat so und trug ihr ergrautes abgeschnittenes Haar, zu einer kleinen Schnur geflochten, in den Tempel der tausendhändigen Kwannon und band dort die Haarschnur um das goldene Handgelenk der tausendfach segenspendenden Göttin.

Die Götter versöhnten sich danach mit ihr und gaben ihr in der Nacht einen Rat. Die Frau hörte im Traum eine Stimme, die sagte:

«Liebe und Vollmond lassen die Haare wachsen. Schicke dein Kind nach Ishiyama. Wenn es dort den Herbstmond aufgehen sieht, werden Liebe und Mond deinem Kind ein schönes Haar schenken.»

Die Mutter erzählte den Traum ihrer Tochter, und Mondköpfchen glaubte begeistert an die Weissagung. Und Mondköpfchens Mann, der immer noch lachte, sagte wenig rücksichtsvoll zu seiner jungen Frau:

«Reise nur nach dem Biwasee und laß dir dort Haare wachsen. Ich muß mich hier inzwischen von dem Nachtgelächter erholen.»

Mondköpfchen reiste an den Biwasee.

Im aufgehenden Mondschein sahen die Bewohner von Ishiyama die kahlköpfige junge Frau auf dem Balkon des Rasthauses sitzen, wo Mondköpfchen Wohnung genommen hatte. Die frommen Bewohner des Seeortes nannten sie nur die elfenbeinerne Heilige, weil ihr haarloser Kopf wie vergilbtes altes Elfenbein in der Abenddämmerung leuchtete. Viele lenkten abends vom See her ihre Kähne am Rasthaus vorbei, um die bleiche, stille Frau auf dem Altan unter den Sykomorenbäumen sitzen zu sehen, und jeder, der sie sah, dachte sich eine Geschichte über sie aus.