Ein junger Adliger, der ein Landhaus in der Nähe von Ishiyama hatte, hörte durch seine Leute von der fremden Frau, die Abend für Abend den aufgehenden Herbstmond von Ishiyama erwartete. Und er richtete es so ein, daß er am Spätnachmittag in einen der Sykomorenbäume am Ufer stieg, wo er, hinter den Ästen verborgen, Mondköpfchen beobachten konnte, die wie ein Götterbild regungslos im Mondschein saß und sich Liebe und Haare wünschte.

Bald danach erhielt die junge Frau von dem jungen Adligen ein Gedicht gesandt, das war mit Goldtusche auf Purpurpapier geschrieben. Das Gedicht erzählte von einem Sykomorenbaum, der ein Mensch werden wollte, um zu ihr zu kommen und neben ihr auf dem Altan zu sitzen.

Mondköpfchen freute sich aufrichtig über das schwärmerische Gedicht. Und als sie wieder im Mondschein saß und mit der Hand über ihren Kopf strich, fühlte sie zu ihrem Entzücken die ersten Haarspuren, denn sie sehnte sich in dieser Nacht sehr nach ihrem Mann zurück.

Am nächsten Tag erhielt sie einen Brief, der sagte ihr:

«Ich bin ein Mann, der Dich liebt, und möchte Dich bald vom Altan holen. Laß Dich entführen, schöne Frau.»

In dieser Nacht sehnte sich Mondköpfchen noch mehr nach ihrem Manne, und ihre Haare wuchsen einen Arm lang, und am Morgen reichten sie ihr bis zum Gürtel. In der nächsten Nacht wuchsen sie ihr beim aufgehenden Mond bis zu den Knieen.

Mondköpfchen empfing in dieser Nacht einen dritten Brief, der sprach:

«Ich weiß, daß Du einen Mann in Tokio hast. Liebe mich, so werde ich ihn töten.»

Da erschrak Mondköpfchen, ließ sich noch in derselben Nacht in einem Kahn über den Biwasee fahren und reiste nach Kioto und zeigte sich und die Briefe ihrem Mann.

Als der Mann seine Frau im prächtigen Haar vor sich sah, wurde er still, und seine Augen wurden dunkel vor Bewunderung. Und als er die drei Briefe gelesen hatte, wurden seine Augen finster, seine Arme breiteten sich aus, und sein Mund, der nicht mehr lachte, sagte: