«Komm in meine Arme, wenn du mir jetzt noch treu sein willst, seit du so schön bist, und wenn du mir verzeihen kannst, daß ich gelacht habe, als du noch nicht so schön warst. Willst du mir aber eines Tages die Treue brechen, dann tue es lieber jetzt und gehe zu dem Mann, der die Briefe geschrieben hat, damit er mich tötet. Denn wenn du mich jetzt verläßt, hat mich schon mein Leben verlassen, und der Tod ist dann nur eine Zeremonie, die ich nicht spüren werde.»

Mondköpfchen setzte sich auf die Diele vor ihren Mann nieder und begann den Tee zu bereiten. Das bedeutete, daß sie ihn für immer lieben und ihm treu bleiben würde und ihm verziehen hätte. –

Und Fräulein Hasenauge lächelte ungläubig und erzählt eine neue Geschichte.

Ein Spielzeugverkäufer, ein Schilfmattenflechter und ein Holzkohlenhändler saßen eines Abends, ehe der Vollmond über Ishiyama aufging, am Rande der Landstraße nach Ishiyama. Der Spielzeugverkäufer hatte an einer langen Stange ein Bündel Spielsachen hängen, meist aus Watte gearbeitete große Insekten, ungeheure graue und silberne Riesenspinnen, grüne und braune Grashüpfer und Heuschrecken, riesige Libellen mit farbigen Flügeln aus Gelatinepapier.

Der Schilfmattenflechter trug ein großes Bündel zusammengerollter, feingeflochtener Schilfmatten auf dem Rücken. Das sah in der Abenddämmerung aus, als trüge er lange Kanonenrohre.

Der Kohlenhändler trug einen Korb auf dem Kopf, den er im Gehen balancierte. Drinnen im Korb unter einem Tuch war die feinste Holzkohle, die er selbst zubereitet hatte.

Im Straßengraben sitzend, an welchen das Schilf vom See her heranreichte, erzählten sich die drei Kriegsgeschichten. Der eine, der Spielwarenhändler, behauptete, er wäre bei der Einnahme von Peking dabei gewesen. Der Rohrmattenflechter behauptete, er hätte mit vor Port Arthur gelegen. Der Kohlenhändler behauptete, er wäre auf einem Schlachtschiff im Chinesischen Meer Heizer gewesen. Aber alle drei verstanden vom Kriegshandwerk so wenig wie eine Katze vom Neujahrsfest. Und ihre Erzählungen waren so drollig, daß ganz Japan sie lachend immer noch weiter erzählt.

Der Spielwarenhändler sagte: «Als wir die Stadtmauern von Peking sahen, liefen unsere Augen wie Spinnen über die Ebene von Peking, unsere Füße hüpften wie Heuschreckenbeine über die Mauerwälle, unsere Bajonette, Säbel und Kugeln flogen wie surrende Libellen über die Chinesen her. Aber das war alles umsonst. Ihr wißt: wenn man den Chinesen sticht, haut oder vierteilt, ist dies geradeso unnütz, als wenn man gegen den aufgehenden Vollmond streitet. Die Chinesen stehen immer wieder gesund und unverwundbar vor dir, denn jeder hat Tausende von Körpern ineinander geschachtelt, so wie es Spielzeugschachteln gibt, von denen Hunderte ineinander passen.»

«Womit habt ihr denn die Chinesen umgebracht, wenn sie nicht zu erschießen und nicht zu erschlagen sind?» fragte der Schilfmattenflechter.

Der Spielzeughändler blähte sich auf wie eine Schweinsblase, die ein Kinderluftballon werden will.