Diese seine außergewöhnliche Reise, die mehrere Sommermonate dauerte, hatte in der damaligen Sportswelt Aufsehen erregt. Die großen Zeitungen brachten sein Bild, und von den Zeitungen aufgefordert, beschrieb er seine Reiseeindrücke.
Mehrmals hatte ihn unterwegs beinahe der Meerirrsinn erfaßt. Viele Nächte mußte er auf dem Meere übernachten. In anderen Nächten war er bei Leuchttürmen gelandet oder auf Leuchtschiffen, wo die Männer den Meerentstiegenen erstaunt und ehrfurchtsvoll aufgenommen hatten. In London, wo er zuletzt hinkam, stellte man sein kleines Boot, das so viele Mühseligkeiten mit seinem Herrn geteilt hatte, zur Besichtigung aus. Aber als er die Rückreise antreten wollte, waren die Stürme in der Nordsee zu schwer. Er nahm dann die Aufforderung einer Zeitung, nach Amerika zu gehen und Amerikabriefe zu schreiben, an.
Als ich den jungen Schweden und Weltfahrer bei Ola Hanson in Friedrichshagen in Berlin an einem Abend kennen lernte, war er eben von Amerika nach Europa zurückgekehrt und sollte nach Hause reisen, nach Schweden, um dort sein Buch über Amerika in seinem Vaterhaus, im Pfarrhaus zu Bohuslän, zu schreiben.
Er hatte als Kind, angeregt dadurch, daß er seinen Vater jeden Sonntag predigen hörte, zuerst Lust gehabt, selbst Prediger zu werden. Wie er mir erzählte, war er als kleiner Knabe oft auf einen Stuhl gestiegen und hatte vor den Dienstboten des Hauses gepredigt. Dann aber hatte ihn das Meer doch stärker angelockt als die Kirche, und er hatte schon, als er fünf Jahre alt war, von alten Fischern in Fjellbacka Unterweisung im Segeln bekommen und hatte dann von seinem Vater ein eigenes kleines Boot erhalten, auf dem er bald eigenmächtig von Insel zu Insel steuerte.
Da Gothenburg in regem Schiffsverkehr mit England steht und sich der junge Schwede, als er älter geworden, Schriftsteller zu werden sehnte, ließen ihn seine Eltern später hinüber nach England, nach Hull, reisen, wo er in einer Zeitungsredaktion beschäftigt wurde. Zurückgekehrt von England, pflegte er eifriger den Rudersport als die Schriftstellerei und unternahm kurz danach die abenteuerliche Ruderfahrt im eigenen Boote über die Nordsee und machte dann die Rundreise durch Amerika. —
Jener junge Mann hatte also viel Welt und Wirklichkeit erlebt und sich mutig durch Meer- und Hungerstürme durchgeschlagen, als ich ihn kennen lernte. Und wir wurden gute Kameraden. Aber nicht bloß, weil er das Leben großzügig nahm, sondern hauptsächlich deswegen wurden wir Freunde, weil er einer jener wenigen damals war, die an der Überzeugung festhielten, daß die Dichtkunst über Prosa und Dramatik erhaben sei, wenn auch augenblicklich der Zug des Zeitgeistes verächtlich auf Gedichte und gereimte Dichtungen herabsehen wollte.
Dieses Vertrauen für die Dichtkunst bei ihm zu entdecken, das war mir ganz überraschend gewesen. Der Gedanke, einen Gleichgesinnten gefunden zu haben, machte mir ihn besonders wert. Ich war erfreut, daß ein Mann, der die Wirklichkeit und stets die Wirklichkeit vor Augen gehabt hatte, in seinem Innern die Dichtung, die damals die verachtetste Kunst in Deutschland war, hochhielt.
Er hatte eben erst auf seiner Rückreise von Amerika den holländischen Dichter Gorter, den ich damals nicht einmal dem Namen nach kannte, in Holland aufgesucht. Gorters Gedichte und dessen Gedichtbuch „Mai“ waren ihm Heiligtümer geworden.
In jener Dichtung „Mai“ ist der Frühling als ein kleines Mädchen beschrieben, das auf einem Kahn durch die Kanäle Hollands fährt. Und die Dichtung erzählt in schlichten und reichen Bildern, durchdrungen von weiser Innerlichkeit, was das kleine Mädchen, das „Mai“ heißt, erlebt. Er erzählte mir außerdem, daß Gorter den einfachen Beruf eines Lehrers ausübe, und daß er eine schöne Gesprächsstunde bei ihm in seinem Hause erlebt habe, aber daß Gorter sehr traurig gewesen, da ihn sein Lehrerberuf quäle.