Mir aber schien es, als hätten die Wellen den Felsen eben erst hergetragen und als könnten sie ihn gleich wieder fortheben, denn ich war auch eben erst hergetragen worden, und ich hatte meinen Standplatz noch nicht begriffen. So neu und fremd war alles um mich, daß das Leben mir hier wie ein Spuk vorkam, und hundert Verwandlungsmöglichkeiten schienen mir möglich.

Ich selbst fühlte mich ratlos. Der weite Ausblick rundum war schwindelerregend, denn wo ich hinschaute, war ein Abgrund.

Die Kuh im Stall brüllte unausgesetzt, seit wir gekommen waren. Und aus einer Felsenspalte krähte der Haushahn unausgesetzt, der dort mit seinen Hennen lebte. Die Tiere begrüßten uns wie die Menschen verwirrt und aufgeregt.

Es waren da keine Bäume über unseren Köpfen, kein Grashalm am Wege. Nichts Vermittelndes zwischen Himmel und Erde. Nur die glatte geschliffene Felsenplatte zu Füßen und darüber unendliche Luft.

Die Felsenfläche war nicht größer als ein kleiner Dorfmarktplatz. Aber die Häuser fehlten. Nur der Meereswind kam pfeilgerade über den Platz. Kam und ging. Und draußen im Wasser stand hie und da eine Meereswelle aufrecht und bäumte sich gegen eine andere Welle, und beide bildeten zusammen einen weißen Palmbaum aus Schaum. Dort im Meer waren dann die unterirdischen Klippen, an denen die Schiffe so leicht zerschellten.

Bei den Leuten hier auf der Klippe mußten wir übernachten. Es war gegen sechs Uhr abends, als wir angekommen waren, und wir hätten nicht mehr genug Segelwind gefunden, um die Küste zu erreichen. Auch wäre es zu dunkel in den Inselgassen geworden, und wir hätten vielleicht nicht zurückgefunden.

Wir gingen zum Haus hin, und ich hatte bei jedem Schritt das Gefühl, als wenn wir ins Meer fallen könnten. Denn das Meer, das so riesenhaft ringsum lag, übte eine mächtige Anziehung aus von allen Seiten. Am liebsten hätte man sich flach auf die Steinfläche gelegt und mit dem Gesicht in den Himmel gesehen, um von dem Schwindelgefühl frei zu werden.

Wir hatten vorher im Boot das Rauschen des Meeres als einen wohltuenden Rhythmus empfunden. Und erst als die Insel, auf der wir jetzt waren, uns näher gekommen war, waren wir aufgestört worden durch den betäubenden Lärm, durch den Gischt und die überstürzende Flut, durch die waschenden Wellen und ihren donnernden Anprall und durch das gurgelnde Getose der Brandung, das uns mit seinem ohrenbetäubenden Lärm mehr und mehr umfing.

Vermittelst eines Sprachrohres hatten die Leute von der Klippe oben zu uns ins Boot hinuntergeschrieen. Und auch jetzt, oben angekommen, konnte man nicht reden, sondern man mußte schreien und lachen. Man schrie und lachte mit dem Höllenlärm rundum. Erst als im Haus die Türen geschlossen waren, wurde es möglich, die Menschenworte zu verstehen.