Der Kapitän, als er dies sprach, stellte Menschen und Tiere ganz selbstverständlich auf gleiche Vernunftsstufe. So wie es die Leute, die viel im einsam Freien leben, zu tun gewohnt sind, und wie es auch das Natürliche ist.

„Ich freue mich,“ hatte der junge Schwede zu mir gesagt, „den Kapitän ans Land bringen zu können. Er hat seit zwei Jahren die Küste nicht mehr besucht. Und er roch nur manchmal den Frühling auf seiner Klippe draußen, wenn zufällig ein scharfer Ostwind vom Lande wehte, der über alle Wälder Schwedens gegangen war.“

Der Alte wurde, je mehr wir uns den Inselgassen näherten, schweigsam und schnupperte immer mit der Nase in die Luft. Er roch Land. Und als der Wind im Abend abflaute, rührte er unermüdlich die Ruder und wollte sich nicht ablösen lassen.

Wie eng und still kam uns das Meer in den Inselgassen vor! Wie wohlbekannte Gänge in einer Stadtwohnung, in die man abends heimkommt nach einem Tagesausflug. Das Wasser lag im Abendlicht goldgelb ausgegossen. Auf einem Stein saß, wie ein einzelner Mann, ein großer dunkler Seeadler. Er ruckte mit dem Kopfe hin und her und hob sich mit den dunklen Schultern vom hellgelben Himmel ab.

„Ich wohne hier,“ meinte der Adler. „Ich bin hier zu Hause,“ sagte er mit seinem Kopfnicken. „Wir wissen es schon auf allen Inseln,“ fuhr er fort, „ihr habt die Möwen draußen gestört. Hui, hui, wer wird die Brutstätten betreten!“ Und die Luft durchfegend flog er fort.

Die dunklen Felsen in den Gassen sahen uns tiefgründig an. Und eine Steinwand sagte zur anderen: „Habt ihr den Donner heute nachmittag draußen gehört? Die da vorüberfahren, die haben die Brutstätten gestört! Die Möwen haben es überall hin ausgeschrieen. Bis zu den Wolken haben sie gerufen. Und beinahe wäre Wettersturz und Sturm gekommen. Aber dann nahmen die beiden Jungen den Alten mit ins Boot, und dadurch waren sie geschützt vor jedem Unwetter. Der Alte ist heilig wie die Brutstätten. Er ist ein alter Freund dem Meer und allem, was in und um das Meer ist.“

In einer anderen größeren Gasse, wo das Meer immer noch goldig war, weil die Felswände weiter auseinander lagen, da hörten wir plötzlich zwei schrille Pfiffe. Hundert Schritte vom Boot entfernt waren in der Goldfläche des Wassers zwei Köpfe aufgetaucht, zwei dunkle menschenähnliche Köpfe.

„Seehunde!“ flüsterte der junge Schwede. Und der alte Kapitän nickte vergnügt und ruderte. Wieder ein blitzartiger Pfiff, und die beiden Seehundköpfe verschwanden.

„Hm, hm,“ sagte der Kapitän, „daß sie sich so weit hereinwagen heute, die Seehunde! Die halten sich doch sonst immer draußen bei den Möwenbrutstätten auf!“ Und er schüttelte verwundert den Kopf. Es war, als kannte er jedes Tier hier im Meer im Umkreis um seine Klippe.

„Die beiden Burschen sind uns nachgeschwommen,“ sagte er endlich nach einer Weile wieder. „Seehunde sind neugierig. Sie haben mich seit zwei Jahren nicht ans Land fahren sehen und mußten sich überzeugen, ob es wahr ist, daß ich ans Land segle. Denn alle Inseln wissen es wohl bereits, daß ich ans Land will, und daß Sie beide die Möwenbrutstätten gestört haben, das wissen auch schon alle hier herum.“