Der Alte lachte gutmütig und nickte, als wollte er noch viel mehr erzählen. Aber er mußte jetzt öfters in seine Hände spucken, um die Ruder fester zu packen, und da blieb ihm nicht allzuviel Atem zum Erzählen übrig.
In Fjellbacka, am Land, schüttelte der kleine Greis uns die Hand und sagte, er würde hier bei Freunden übernachten und käme morgen zum Sonntag in die Kirche und ins Pfarrhaus.
Und das tat er auch. Am nächsten Mittag kam der Kapitän zum Pfarrhaus getrollt. Der junge Schwede hatte seinem Vater von unserer Fahrt erzählt. Dieser kannte den Alten längst. Als der Pfarrer zugleich hörte, daß wir eine Möwenbrutstätte aufgesucht hatten, wurde auch er plötzlich ganz ernst und schüttelte verwundert den Kopf.
Da kam ich mir mit einemmal ganz unwissend vor und hatte das Gefühl, als wären wir, der Schwede und ich, gestern, als wir auf jener Insel bei den Möwenmüttern im Boot angelegt hatten, wie zwei täppische junge Jagdhunde gewesen, die in ein Zimmer hereinspringen und nicht wissen, wo sie sind, und friedliche Leute erschrecken.
Der alte Pfarrer sagte: „Brutstätten darf man nicht stören. Das tut man nicht.“ Und als ich ihn fragte, was uns hätte geschehen können, sagte er kurz: „Das weiß ich nicht. Aber die Leute im Lande, die Fischer, behaupten, es störe die Seefahrt und den Fischfang.“
„Wir sind auch schon gestraft worden,“ sagte der junge Schwede. „Wir haben zuerst Angst vor einem Unwetter gehabt, und auf der zweiten Hälfte des Weges schlief der Wind ganz plötzlich ein, und wir haben rudern müssen, und wenn der alte Kapitän nicht mitgerudert hätte, würden wir das Land zum Abend nicht erreicht haben und hätten zur Nacht auf dem Wasser liegen müssen.“
Und ich mußte viel darüber nachdenken. Wenn man durch einen Kanonenschuß in den Himmel versucht — und es auch erreicht hat —, Wolken und Gewitter zu erzeugen, so, sagte ich mir, konnte auch die unendliche Masse Möwen, die über unseren Häuptern mit kreisendem Flug stundenlang im höchsten Äther gelärmt und mit den Flügeln geschlagen hatten, recht wohl in dem schwülen Maienmittag ein Gewitter erzeugt haben. Denn um uns fortzuscheuchen, schrien die Möwen ganz besondere Rufe, Ketten von wirbelnden Rufen. Es hörte sich an, als rauschte ein lärmendes Feuer mit spitzen Stichflammen in den Himmel, so heftig war das Pfeifen und Flügelschlagen zur Mittagsstunde im Luftkreis über uns gewesen.
Und ich sagte mir weiter, wir werden von Haus aus als zu schlechte Nachbarn der Tiere, Pflanzen und Mitwelt erzogen. Wir lernen vielen Kram, aber wir lernen nicht, freundlich und geduldig die Lebensgewohnheiten der Tiere im Auge zu haben, wie Gewohnheiten unserer Hausnachbarn, die wir achten sollen. Wir sind nur Kameraden mit den Menschen, aber nicht Kameraden mit dem Weltalleben. Und wie reich, innig und festlich wäre unser Dasein, wenn wir verständige Kameraden allen Leben würden und nicht in unserer Unvernunft und unserer Ungeduld uns verleiten ließen, uns höherstehender vorzukommen als Tiere und Pflanzen. Solcher Hochmut ist unfruchtbar und unkameradschaftlich und läßt uns Menschen in den Augen des übrigen Weltalls lächerlich und beschränkt erscheinen.
Wie roh und beschränkt müssen wir beide den Möwen vorgekommen sein, als wir nicht die einfachsten Anstandsgesetze achteten und Mütter, welche Kinder zur Welt brüteten, in ihren Wochenstuben aufstörten. Wir taten, als wenn die Lebenserzeugung nur bei den Menschen die Mütter im schwangeren Zustand heilig spräche. Als ob die Tiermütter in demselben Zustand nicht auch heilig zu sprechen wären von unserer aller Schöpferkraft, die allen Handlungen bestimmte Grundgesetze vorgeschrieben hat.