Im Pfarrhof bei den Stallgebäuden hörte ich dann die Bauernwagen von der fernen Kirche fortrollen, und der junge Schwede kam von seinem Zimmer herunter, wo er geraucht und Mittagsruhe gehalten hatte. Er streckte unter der Haustüre seine Glieder und lachte und nickte mir zu.

„Der alte Kapitän wird genug Kirche heute bekommen haben,“ rief er. Und wir lachten und plauderten unter der Haustür ein wenig von dem alten Meerkauz.

Dann kam der alte Pfarrer, von einigen Männern der Gemeinde begleitet, in den Hof. Wir fragten ihn, ob der Kapitän sich schon verabschiedet habe, weil wir ihn nicht sahen.

„Ach nein,“ lachte der alte Herr gutmütig, „er war gar nicht in der Kirche. Er schläft wahrscheinlich noch im Garten.“

Und jetzt erinnerte ich mich, daß der Kapitän früher vom Tisch aufgestanden war und sich entschuldigt hatte, daß er ein Schläfchen tun möchte, da ihn die ungewohnte Landluft und der Geruch des Frühlings müde gemacht hätten. Wir waren im Gespräch gewesen und hatten seine letzten Worte halb überhört und glaubten, er sei zur Kirche gegangen.

„Er wird sich zu Tode erkälten,“ meinten die Damen des Hauses, die dazugekommen waren.

„Ach, nun verstehe ich alles,“ sagte ich zu dem jungen Schweden. „Der ganze Garten hat es mir erzählen wollen, daß der Alte, der zwei Jahre kein Grün und keine Blumen gesehen hat, sich zum Schlaf dort niedergelegt habe. Deshalb schnatterten die Elstern so laut, sie machten aufmerksam auf den Schlafenden unter den Bäumen. Und die drei Katzen strichen so verwunderlich hopsend herum und erzählten es mir, ihr Behagen ausdrückend, daß einer im Garten schlafe, von dem die Erde sage, daß man ihn nicht stören dürfe.

Auch die Eichhörnchen hatten sich ihn angesehen, den Meergreis, der selbst so behende und zwerghaft war wie die Eichhörnchen. Und der nach Meerluft roch und nach Fischen, wie die Katzen behaglich hinzugefügt hatten. Und eine Möwe hat im Flug mit dem Schnabel auf ihn gedeutet. Und die grünen Goldkäfer an den Pfingstrosen hatten mir verständnisinnig zugeblinkt. Und alle meinten, mir den Schläfer zu zeigen, der ein Stück Meerwelt in das Garteninnere brachte.“

Dann fanden wir ihn auch, als wir vorsichtig gingen und suchten, auf der Grasböschung am Gartenrand. Unter einem Haselnußstrauch lag der kleine alte Mann auf dem Rücken. Er hatte seinen Kapitänsuniformrock ausgezogen und ihn unter seinen Kopf gelegt und hatte sich mit seiner Kapitänsmütze Stirn und Augen zugedeckt. Aber den Mund hielt er weit offen, und seine Hände hielt er über der Brust gefaltet. Die schwielenreichen alten Finger, die vierzehn Schiffe gesteuert und geführt hatten, waren fest ineinander gehakt. Sein offener Mund atmete die langentbehrte Garten- und Landluft und die langentbehrte Stille in seinen alten meergebeizten Körper ein.

Wir konnten es nicht übers Herz bringen, ihn zu wecken und zu stören. „Aber wenn er sich erkältet?“ meinte ich einen Augenblick.