„Der ist wie aus Seehundleder,“ sagte der junge Schwede. „Den bringen Erde und Wasser nicht um. Er hat vierzehn Schiffbrüche erlebt und ist nicht umgekommen; da wird ihm doch die Erde im Schlaf nichts antun können und antun wollen.“
„Und wenn er an diesem Schlaf sterben sollte,“ sagte ich, „so hat er wenigstens die Befriedigung, daß er noch einmal einen Landschlaf in Ruhe und ohne irrsinniges Meergeschrei und Brandungsgebrüll genossen hat.“
Und wir ließen den Alten schlafen, trotzdem die Schatten des Gartens ihn kühl zudeckten. Alles schien auch dem Alten den verdienten Landschlaf herzlich zu gönnen.
Und der Schlaf im Grünen ist dem Kapitän nicht schlecht bekommen. Nur darin bekam er ihm vielleicht nicht gut, daß er, als er aufgestanden, dem Pfarrer und uns erklärte, er möge nicht mehr aufs Meer hinaus. Er sähe gar nicht ein, warum er seinen alten Knochen nicht endlich am Land Ruhe gönnen sollte.
Und wirklich kündigte er nach diesem Landbesuch der Regierung seinen Leuchtturmplatz und mietete sich bei Freunden in Fjellbacka ein. Aber das Land wußte nichts mehr mit ihm anzufangen, und der kleine Meergreis starb bald ganz schnell weg, als wäre er nur ans Land gekommen, um in den Tod hinüberzuschlafen. —
Jene mehrtägige Meerfahrt bedeutete für mich auch zugleich den Abschluß meines Aufenthaltes im Pfarrhause. Denn der Sommer, der jetzt kam und Gäste und Besucher und Leben in die Einsamkeit brachte, trieb mich, der ich Ruhe zu Gedanken und Arbeiten liebte, zum Fortwandern an.
Ich war selbst erstaunt, daß die mächtige Einsamkeit, die mich zuerst bei der Ankunft, im Gegensatz zum lebhaften Berlin, an jenem Pfarrhause erschreckt hatte, mir jetzt zur unentbehrlichen Lebensbedingung geworden war.
Auch der junge Schwede wunderte sich nicht wenig, als ich ihm eines Tages sagte, ich fände das Haus, in dem Sommergäste kamen und gingen, zu lebhaft geworden, und daß ich mich nach der Zurückgezogenheit und totstillen Einsamkeit, wie ich sie hier in den ersten Wochen nach der Ankunft aus Deutschland genossen hatte, sehnte.
Er erwiderte mir, daß er das ganz unbegreiflich fände, da ich doch zuerst über die unendliche Winterstille im Pfarrhause erstaunt gewesen wäre und behauptet hätte, es wohnten keine Menschen, sondern nur eine tickende Uhr im Hause.