Aber wenn wir dann zum Lebensfest und zum Lebenswerk zurückkehren, zum irdischen Atmen, zum Tätigsein und Handeln in irgendwelcher Gestalt, in der wir eben unser Lebensfest feiern, dann hat uns auch stets die Rückkehr entzückt, die Rückkehr von der Weltferne in die Weltnähe.
Denn beides ist unser ewiger Besitz, und keines von beiden wollen wir missen. Die Weltferne ist das ewig festlich Unabänderliche in uns, die Weltnähe das ewig sich festlich Verändernwollende in uns.
Und nun, ehe ich endlich jenen seltsamen Augustnachmittag beschreibe, muß ich noch eine Erklärung abgeben.
Jeder Mensch hat nur zwei Hände bekommen, zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher und im Halse zwei Röhren, eine für die Luft- und eine für die Speiseaufnahme. Alle diese Zugänge zum Körper bedingen ein bestimmtes Körperleben, ein bestimmtes Sinnesleben, das, solange wir als Menschen leben, unverrückbar der Ausführung unseres Lebenswerkes und unseres Lebensfestes bestimmte Grenzen setzt.
Das Lebenswerk und das Lebensfest würde natürlich anders ausfallen, anderen Erlebnissen unterworfen sein, wenn wir zum Beispiel mit dem Leib eines Vogels, mit Flügeln, Schnabel und Fußkrallen geboren wären. Ebenso wären wir, als Blume oder Baum festgewurzelt, als Stein festliegend oder als Wasser fortfließend, als Feuer auflodernd oder als Rauch fortschwebend, einer anderen Lebensbewegung, einer anderen Lebenstätigkeit, einem anderen Lebenswerk und einem anderen Lebensfest hingegeben.
Da aber jedes Lebewesen nicht bloß der Weltnähe, sondern auch der Weltferne angehört, da unzertrennbar von einander das Gefühl der Weltnähe und das Gefühl der Weltferne in jedem Atom vereint wohnen, sowohl im Rauchatom, als im Feuer, als im Wasser, wie in der Blume und im Baum, ebenso wie in der Menschengestalt, so sind im Grunde alle Lebewesen eine Kraft, eine Schöpfung.
Festliche Ruhe, festliche Tätigkeit, an ihnen hat jedes Atom teil, ebenso an der Lust der Weltferne wie an der Lust der Weltnähe. Die Gestalten des Lebens gehören sowohl der Weltnähe, welche Tätigkeit bedeutet, und zugleich der Weltferne, welche eine Erhebung über das Leben bedeutet, an.
Die Gestalten sind die Geschöpfe, das Gefühl der Weltferne in den Gestalten ist der Schöpfertrieb, das ewige Leben.
Mit unseren jeweiligen Sinnen können wir immer nur ein Leben leben, ein Fest feiern, das sich in der Weltnähe abspielt. Aber von der Weltferne aus, zu der wir uns stündlich über unser endliches Leben erheben können, weil wir im letzten Urgrund bei ihr untrennbar wohnen, können wir bei gründlicher Vertiefung alle endlichen Leben überschauen oder uns in sie hineinversetzen, ohne unsere eigene Gestalt, in der wir augenblicklich arbeiten und Feste erleben, sterben lassen zu müssen.