Wir hielten uns nur für ohnmächtige Peripheriewesen, nur von der Weltnähe lebend. Wir trennten uns, unaufgeklärt, in unseren Worten und Gedanken vom großen Schöpfungsfest. Wir wollten nie verantwortlich, nie gründlich den Anlauf zur Selbsterkenntnis unseres ewigen Daseins nehmen.
Es war uns so wie einem, der nur immer seine Füße sieht und seine Hände und seinen Unterleib, der sich aber nicht einzugestehen wagt, daß er auch einen Kopf besitzt, weil er diesen Kopf bisher nicht sehen konnte und deshalb nicht an das Empfinden glaubte, das ihm sagte, er besitze einen ihm unsichtbaren Kopf, der für ihn denkt, riecht, schmeckt, hört, sieht, das heißt wahrnimmt.
Aber nun haben wir den Mut, wir Menschen von heute, zur Erkenntnis.
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als endlich zu erkennen, daß der Weltkopf, den wir fühlen, aber nicht sehen, nicht einem Schöpfer über uns gehört, sondern uns selbst.
Wir haben bei der neuen Erkenntnis nichts getan, als endlich vollständig unsere Weltallgestalt festgestellt.
Wir glauben jetzt ganz unserem Gefühl, das uns schon im Christentum als Mitbesitzer der Weltferne, des Weltkopfes, erklärte, indem es uns den vagen Begriff Seele einräumte. Aber man setzte über diese Seele damals noch eine Weltseele, einen Weltschöpfer. Die Seele aber ist unsere Weltferne, die nichts über sich erlebt, auch keinen Weltschöpfer. Denn sie selbst ist schon im Vollbesitz der Ursprungskraft, der Weltallruhe und der Schöpferkraft.
Wir Menschen sind, wie alle Leben, Schöpfer und Geschöpf, von uns geschaffen und von allen und jedem Leben des Weltalls. Und wir sind zugleich Mitschöpfer von allen und jedem Leben des Weltalls.
Mancher wird nun vielleicht nach den vorangegangenen Erklärungen töricht sagen: wenn wir behaupten, die Schöpferkraft eines Weltschöpfers zu besitzen, müßten wir dann nicht unser Leben fortwährend bewußt ändern können? Es müßte uns ein kleines sein, aus Steinen dann Brot zu machen oder uns im Magen satt zu fühlen, wenn wir es nicht sind, oder Berge fortwandern heißen, Wasser in Feuer verwandeln usw. Es müßte uns leicht sein, so könnte ein Tor sagen, ein willkürliches Spiel mit den Lebensgestalten und Lebenserscheinungen zu spielen.
Wer so fragt und so spricht, hat aber nicht begriffen, daß die Weltferne und die Weltnähe sich in uns ewig das Gleichgewicht halten. Das heißt, ein unsinniges Spiel mit sinnlosen Verwandlungen in der Welt der sinnvollen Erscheinungen, in der Welt der sinnvollen Weltnähe, ist durch das Gegengewicht der ewig weisen und ewig ruhenden Weltferne in uns unmöglich gemacht. Die Weltferne in uns läßt die Weltnähe keine chaotischen Zuckungen machen. Wir selbst stehen ewig weise über der Torheit.
Das ewige Wechselleben in der Weltnähe wird in Zucht und Gleichgewicht gehalten durch die unerschütterlichste Ruhe der Weltferne in uns.