Denn als Schöpferkraft wirken immer zwei Regungen: erstens die verankerte Ruhe und Betrachtung, die das Überschauen vermittelt, und zweitens die Tätigkeit, geleitet von jenem Überschauen, die das Lebenswerk oder Lebensfest gestaltet und in Szene setzt.

Aber wenn Ruhe und Weisheit an unserer Tätigkeit beim Lebenswerk teilnehmen, — wie kann dann überhaupt Böses geschehen, da doch die weise waltende Weltferne in uns von unserer Weltnähe unzertrennlich ist? Man sollte meinen, Böses könnte nie möglich sein.

Nun müßt ihr, die ihr das fragt, einen Standpunkt so hoch einnehmen, daß ihr auch die hohe Antwort auf diese Frage verstehen lernt.

Bis jetzt nahmt ihr Menschen meistens alle an, daß das Leben eine Plage ist. Die Asiaten sprechen von der Lebensqual und von dem Fluch aller Leben. Die Abendländer sprechen vom Jammertal, von der Hoffnung auf Erlösung und, wenn es hoch kommt, von der Lebensaufgabe, die man zu vollenden habe.

Darüber hinaus hat sich noch kaum eine Lehre erhoben, keine Lehre der beiden Erdhälften.

Das Leben ist aber ein Fest und soll ein Fest sein. Das Leben ist auch dem Elendsten immer festlich gewesen.

Bedenkt doch, daß die Süße des Lebens in euerer Vorstellung das Paradies hat entstehen lassen, daß sie den Mohammedanern lustige Gärten vorgaukelt voll sinnenfroher Frauen, den Christen einen melodischen Himmel voll singender Harmonien und den Asiaten das große selige Ruhebett des Nirwana.

Wie festlich teuer ist uns Menschen alles Erleben, wie köstlich festlich! Wir schaffen uns Bilder vom Leben noch über den Tod hinaus, um das Erleben nie zu entbehren.

Das Leben ist ein so gewaltiges Fest, daß nur, wenn wir uns bereitwillig die höchste Schöpferkraft und damit zugleich die höchste Verantwortung zuerkennen, wir das ganze Fest genießen können. Sonst wird es uns gehen wie einem Dörfler, der nie Musik, nie Bilder, nie Tanz, nie Geist und Anmut gesehen hat und der beim Eintritt in einen festlichen Gesellschaftssaal alle für Narren halten würde, die sich dort rhythmisch bewegen. Er wäre zuerst geblendet vom Fest und würde nichts als einen Wirrwarr sehen. Er würde an der Schwelle stehen bleiben und höchstens ausrechnen, wieviel Umstände das ganze Fest dem Wirt und den Eingeladenen gemacht hat.