Und derselbe Dörfler, in ein Theater geführt, würde, wenn er auf der Bühne mitspielen sollte, linkisch oder frech werden. Und da ihm der Überblick über das Stück fehlte, das zu spielen wäre, und über die Gestalt, die er darin zu verkörpern hätte, würde er sich geärgert fühlen, wenn er sich nicht einzufügen gelernt hat, wenn er keine Lust zum Spielen mitgebracht hat.
Und er würde die Festvorstellung, bei der er mitwirken sollte und bei der er Freude geben und Freude ernten sollte, verwünschen und sie als eine Plage verfluchen. Und er würde vielleicht seine Gestalt und seine Rolle wegwerfen aus Unverstand, und weil er keine Ahnung hat, daß er zu einem Fest, zu einer Lust beitragen soll.
Er würde jammern, unglücklich sein. Und wenn er ein ernster Mann ist und ein entschlossener Mann, so wird er höchstens die Rolle auf Zureden aufnehmen und weiterspielen und immer von seiner Aufgabe sprechen, aber nicht von einem fröhlichen Werk oder gar von einem Fest.
Mit dieser Erklärung ist aber noch nicht erklärt, warum Gutes und Böses da sein können, wenn Weltferne und Weltnähe immer weise herrschen. Der eigenen Schöpferkraft Weisheit in uns ist so hoch, daß sie versteht, daß alle Geschöpfe, alle Handlungen, gute und böse, notwendig sind, um Erscheinungen zu schaffen und Lebenswechsel.
Dem Guten wird deshalb ewig das Böse gegenüberstehen müssen, dem Tag die Nacht, dem Frieden der Krieg, dem Aufbau der Verfall, dem Anfang das Ende. Diese Notwendigkeit sieht die Weisheit der Weltferne in uns ein, und es wird ihr deshalb nicht einfallen, dem Wechsel dieser Gegensätze, der sich in unserer Weltnähe gestaltend und vernichtend ausdrückt, einseitigen Einhalt zu tun und nur Gutes zu schaffen und zu verlangen.
Träte im Peripherieleben, im Leben der Weltnähe, im Leben der Erscheinungen, ewiger Tag ein, ewig Gutes, ewige Freude ohne Schmerz, ewiger Frieden, so würde das den Stillstand des Festes bedeuten, das wir so sehr lieben, und dessen Stillstand ganz unmöglich ist, da unsere ewige Schöpferkraft am ewigen Werke ist.
Ohne Weltnähe wäre keine Weltferne möglich, und beide sind undenkbar ohne die unerschöpfliche Kraft, die jedem Atom innewohnt. Wir sind Besitzer der Allmacht und der Ohnmacht. In diesem Wechsel von Ewigkeit und Endlichkeit befindet sich unser endliches und ewiges Leben in jedem Augenblick.
Wir sind die Weisheit und das Verbrechen an der Weisheit. Wir sind das Gute und das Böse, wir sind der Tag und die Nacht, der Frieden und der Krieg. Alles das besitzen wir, mit all dem handeln wir, und alles das handelt mit uns.
Wir spielen alle diese Kräfte aus, wie der Kartenspieler all seine verschiedenen Karten ausspielt. Jedem Spiel aber liegen Regeln zugrunde. So auch schreibt die Weltferne der Weltnähe ihre Regeln vor, damit das Spiel in Ruhe geführt werden kann. Da die Karten immer wechseln, das heißt, aufs Leben übertragen, der eine mal die, der andere andere Eigenschaften seiner jeweiligen Lebensgestalt einsetzen kann, so wird das Lebensspiel, so wie jedes Kartenspiel, immer wieder anders ausfallen, trotz der feststehenden Grundregeln, die das Spiel regieren.
Wir selbst haben das Schöpfungsspiel erfunden und spielen es, da es unendlichen Wechsel bietet, unendlich weiter. Manche ähnliche Kartenzusammenstellungen kehren zufällig wieder. Das erweckt dann den Schein, als ob ein Spiel wiederkehre. Aber es ist kein Spiel gleich dem andern, kein Leben, das wiederkehrt, ist gleich dem andern.