Denn es ist nur ein Schein, daß du getrennt, scheinbar einsam oder verlassen umhergehst. Du bist nicht bloß der Mensch, den du im Spiegel siehst. Du bist zugleich mit deiner inneren Welt in allem Leben, und alle Erscheinungen und Gestalten sind in dir.

Bedenke immer: du hast die größte Macht, und hattest sie seit Tausenden und Tausenden von Jahren, das Fest des Lebens zu feiern, und wirst dein Schöpferfest weiterfeiern, Tausende und Tausende von Jahren ohne Ende.

Durch deine äußere Welt bist du wirklich, durch deine innere Welt unwirklich zugleich. Und durch deine Schöpferkraft verwandelst du die äußere Welt und bleibst doch unverwandelbar in deiner inneren Welt ewig leben.

Und dieses, o Mensch, genießend und festlich zu verstehen, dazu wird dir jeder Augenblick auf Erden Erkenntnis geben, und du wirst es an allen, die mit dir festlich lebend sind, ebenso erkennen, wie an dir, daß du wirklich und unwirklich zugleich bist.

Und wenn dich die Wirklichkeit ermüdet, wirst du an der Unwirklichkeit ausruhen können. Und wenn dich die Unwirklichkeit ermüdet, wirst du zur Wirklichkeit zurückkehren können.

Aber du brauchst nicht zu fürchten, daß du die Menschengestalt, die du augenblicklich angenommen hast, und die dein augenblickliches Kleid im Weltfest ist, daß du diese immer ablegen sollst und sterben sollst, wenn du dich nach Unwirklichkeit sehnst.

Sieh, an jedem Abend legst du mit deinen Kleidern auch deine Gestalt hin auf die Erde und läßt beide ausruhen, damit sie sich nicht so schnell abnützen. Denn du hast beide lieb und gönnst ihnen, Kräfte zu sammeln.

Und wenn du einmal groß bist und größere Tätigkeit hast, als ein Kind sie hat, und größere Kräfte hergeben mußt und deshalb auch wieder größere Kräfte und größere Ruhe sammeln mußt, ob du nun als Mann oder als Weib geboren bist, sieh, die Nächte können dann nicht länger gemacht werden, um dir größere Erholung zu geben. Aber die Ruhe um dich kann tiefer gemacht werden.

Dann wirst du, um tiefste Ruhe zu finden für deine männlichen Kräfte, oder ein Weib wird, um tiefste Ruhe zu finden für ihre weiblichen Kräfte, die Arme ausbreiten, und Mann und Weib, die sich lieben, werden sich im Dunkeln umarmt niederlegen, und ihre Körper werden sich einander wie ihre Lippen den tiefen Kuß der Liebe geben, und sie werden das Lebensfest der Liebe feiern.

Und sie werden für Augenblicke tiefer ausruhen können als je, so tief, als hätten sie ihre Gestalt wie im Tod abgelegt.