Dann in der Liebesumarmung finden sie sich nicht bloß in der Weltnähe wieder und nicht bloß in der Weltferne, sondern sie sind in ihrer Schöpferkraft eins geworden, in der Schöpferkraft, in der sie am Tage getrennt gearbeitet hatten auf Erden.
Und das ist der tiefste Augenblick des Weltallfestes jedes Lebens und der höchste eines ganzen Lebens zugleich. Dann, in diesem Liebesaugenblick, ist in beiden, im Mann und in der Frau, tiefste Ruhe der Ewigkeit und höchstes Schaffen der Ewigkeit tätig.
Aber sieh, es ist noch ein Ausruhen möglich und eine Einkehr in deine Unwirklichkeit, wenn dich die Wirklichkeit ermüdet, ohne daß du sterben mußt und die Gestalt wechseln sollst.
Wenn der Mann das Weib nicht gefunden, noch nicht gefunden oder wieder verloren hat, oder wenn beide sich vorbereiten wollen, die sich gefunden haben, zum Liebesfest, dann sind Leben da, Schöpfungen, die jeden an die Schwelle der inneren Welt führen können.
Das sind die Werke der Künstler, Lied und Gedicht, ein Bild, eine Bildsäule und die Musik, Aussprüche der Weisheit und stille Betrachtungen, die du mit offenen Augen, offenen Ohren, offenem Herzen empfangen sollst.
Ein Gedicht, ein Gemälde, eine Bildsäule, ein Musikstück — das sind Leben, die sich dir zum Wechsel bieten, zum Ausruhen von der Wirklichkeit und zum Vorbereiten für dein Fest der Lebenstätigkeit und für das Fest der Liebe.
Diese künstlerischen Schöpfungen sind in die Tagestätigkeit gestreut wie die Träume in die Nachtruhe. Alle Kunstwerke erinnern dich am Tage an dein inneres Leben, sie sind in den Tag gestreute Ewigkeitsbilder des inneren Lebens, während deine Nachtträume Augenblicksbilder deines äußeren Lebens sind, in die Nachtruhe gegeben.
Kunstwerke und Träume, beide sind Echos zweier entgegengesetzter Welten; Kunstwerke sind Echos der inneren Welt; Träume sind Echos der äußeren Welt. —