Hört auf die Gedanken, die euch übertragen werden von den euch fremden Wesen, auf die stille Gedankenwelt und Gefühlswelt, die die allgemeine Weltsprache ist, und wißt es: auch eure Gedanken und Gefühle dringen ein in die anderen Leben um euch.

Ihr braucht dabei nicht an das Wort „Gedankenlesen“ zu denken. Ihr sollt gar nichts an eurem Wesen ändern, um die Welt zu verstehen. Ihr sollt nur Geduld und Freundlichkeit und Lebensfestlichkeit unausgesetzt über euch verbreiten. Dann wird euch von allen Leben zugesprochen und dadurch geholfen, geraten, gewarnt und zugeplaudert, so wie ihr es nie erwartet habt, daß dieses möglich wäre zu erleben.

Ihr braucht euch aber nicht immer dazu still hinzusetzen und auf die Welt zu horchen. Gerade mitten in der Tätigkeit, wenn ihr euerer Beschäftigung am ernstesten nachgeht, spricht irgendein Ding oder ein Lebewesen um euch seine Gedanken zu euch aus, manchmal betreffs eurer Arbeit, manches Mal ein Urteil über eure Vergangenheit, manches Mal einen Gedanken oder einen Vorausblick in eure Zukunft.

Nur der Glaube an die Weltallsprache sei euch gegeben, denn das innere Wissen habt ihr alle längst selbst gehabt. Freunde müßt ihr sein mit allen Lebewesen, möglichst geduldige, vertrauende und liebevolle Freunde, mit allen Gegenständen um euch, mit allen Lebewesen um euch. Denn nur Freunde werden euch warnen, werden euch helfen und zusprechen.

Glaubt nicht, daß ihr euch ungestraft Menschen, Tiere und auch tote Dinge zu Feinden machen könnt. Ihr könnt euch die ganze Welt zu Feinden machen, wenn ihr ungeduldig, unfreundlich handelt und auf die Gedankensprache der Welt nicht hören wollt. Dadurch werdet ihr dann viel leiden und vielleicht zuletzt gezwungen werden, wenn ihr die ganze äußere Welt euch zu Feinden gemacht habt, die Gestalt, in der ihr gelebt habt, abzulegen, früher vielleicht abzulegen, als ihr es vorhattet, und müßt euch verwandeln, um eurem Haß und dem Haß der Welt, den ihr auf diese Gestalt geladen habt, zu entgehen.

Vielleicht gelingt es euch aber in anderer Gestalt, unter anderen Verhältnissen, friedfertiger, geduldiger und freundlicher euch die Welt zu Freunden zu machen und das Weltfest genußreicher zu feiern, als ihr es vorher tatet, denn ihr seid immer Schöpfer eurer Zustände.

Vom Tage an aber, an dem ihr annehmt, daß ihr an einem weise gefeierten Fest teilnehmt, könnt ihr vielleicht gar nicht anders als euch freundlich und geduldig und festlich benehmen. Denn welcher Mensch, wenn er Gastgeber oder Gast ist, könnte seine Lust darin finden, eine Feindschaftsfeier statt einer Freundesfeier bei einem Fest zu erleben! Wenn einer so entstellt ungeduldig und unfreundlich zu einem Fest erscheinen wollte, würde er sich bald hinausgewiesen fühlen und würde erst wiederkommen dürfen und wollen, wenn er sich in festlicher Gestalt zeigen kann.

Wohl mag es vorkommen, daß einer sich den rauhen Spaß machen will, sich Spielverderber zu nennen, und hunderte Male wiederkommt und immer als Feststörer. Auch diese wird es geben und immer wieder geben müssen, weil wir Gestalten innerer Schöpferkraft sind, weil Leben aus Licht und Schatten, Freude und Leid bestehen muß und nur der Wechsel das festliche Leben erzeugt.

Darum setze ich hinzu: die große festliche Weltallschöpfung wird nicht gebessert werden durch diese Weltanschauung, wie niemals eine Weltanschauung die Schöpfung gebessert hat. Denn die Schöpfung ist nicht zu bessern und nicht zu verschlechtern. Sie ist ein ewiger Wandel von Tag und Nacht, von innerer und äußerer Welt, von tiefster Ruhe und höchster Gestaltungsunruhe, sie ist unsere ewige Schöpferlust.

Es ist nur ein neuer Wandel, der mit der neuen Weltanschauung über die Welt kommen wird, weil die alte Weltanschauung abgetreten, ausgeleiert, nichtssagend, mürbe, alt und brüchig geworden ist, weil ihre Zeit um ist und eine neue Zeit neue Ideale, neue Weltüberblicke aus neuen Aufklärungen heraus für die Menschheit fordert, und die früheren Weltanschauungen für uns nicht weitsichtig genug, nicht mehr äußerste Weltüberblicke sind. So wie ihr alte Kleider ablegt, weil sie eng werden, weil sie sich nicht mehr erweitern lassen, weil ihr eure Formen verändert habt, sie aber ihre Formen nicht mehr bewahren können, so wechseln auch die Weltüberblicke der Menschheit, die sie sich über das Leben machen muß.