Auf Nachfrage bei seiner Hausfrau habe diese geantwortet, ihr Mieter liege seit ein paar Tagen zu Bett, wolle aber keine Besuche empfangen, habe auch kein Essen zu sich genommen und wünsche nur in Ruhe gelassen zu sein. Sie gehe deswegen gar nicht mehr an seine Türe, da er jedesmal von drinnen herausrufe, daß er nicht gestört sein wolle.

Das, was ich da hörte, erschreckte mich gewaltig. Ich erzählte in kurzen Zügen dem Schweigenden die Vorgänge des Nachmittags: daß unser Freund mit dem Vorsatz, Wunder zu wirken, zu mir gekommen und noch im gleichen Wahn von mir fortgegangen sei.

„Er muß uns öffnen,“ sagte ich. „Er darf nicht sich selbst überlassen bleiben, sonst verfällt er in Irrsinn. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.“ Der Schweigende nickte, und dann eilten wir beide nach der Wohnung des jungen Philosophen.

Es war sechs Uhr abends, heller Sommerabend. Und als wir in das altmodische Haus traten, in welchem unser Freund ein Zimmer gemietet hatte, war es in dem großen Treppenraum still, und nur unsere Schritte hallten auf der geräumigen Holztreppe des weiten Stiegenhauses. Mit einigem Staunen sahen wir, als wir den oberen Flur, der durch keine Türe von der Treppe abgesperrt war, erreicht hatten, daß dort auf den Sandsteinfliesen viel Wasser ausgeschüttet war.

Wir dachten aber an nichts Besonderes dabei, sondern meinten, daß dieses durch die Unachtsamkeit eines Dienstmädchens geschehen wäre; denn im gleichen Flur war ein Wasserhahn an der Wand angebracht, mit einem eisernen Becken darunter. Da war es leicht möglich, daß das Wasser im Becken vielleicht übergelaufen war, wenn der Beckenabfluß verstopft und der Hahn nicht zugedreht gewesen.

Vorsichtig über die Wasserlachen steigend, kamen wir zur Zimmertür. Wir klopften, aber wir erhielten keine Antwort. Der Zimmerschlüssel steckte, also mußte unser Freund zu Hause sein. Wir klopften mehrmals und versuchten durchs Schlüsselloch zu spähen, und ich sehe uns da noch heute vor der großen weißlackierten Türe beratschlagen, immer ängstlicher werdend, weil wir nicht mehr wußten, was wir zu tun hatten.

„Vielleicht ist er eingeschlafen,“ meinten wir dann und wir beschlossen, einen Augenblick auf der Treppe zu warten, denn es ging augenscheinlich etwas Unheimliches vor. Das sagten uns immer eindringlicher die großen Wasserflecken, die, wie es mir auf einmal schien, ganz von selbst anwuchsen und sich immer mehr über die Steinfliesen ausbreiteten. Wir stiegen über die Wasserseen zurück bis zur breiten Holztreppe. Dort standen wir zaudernd und warteten, an das Geländer angelehnt. Endlich setzten wir uns auf die oberste Stufe und überlegten.

Während wir noch in die Haustiefe zur Treppe hinunterhorchten und immer hofften, der junge Philosoph möge ausgegangen sein und würde plötzlich nach Hause kommen, da fuhren wir auf einmal beide gleichzeitig in die Höhe, denn das Wasser, das wir aus dem Auge gelassen hatten, hatte uns am Treppenrand erreicht, und wir sahen staunend, daß es jetzt wie ein fließender Bach von Stufe zu Stufe hinunterlief.

Wir sahen beide unwillkürlich nach der weißen Zimmertür und verstanden nun, daß die Unmenge Wasser aus dem Zimmer unseres Freundes kam.

„Was ist das wieder für ein Streich?“ entfuhr es dem Schweigenden.