Das bewegliche Wasser, das da neben uns das einzige Leben im Treppenhause war, blickte uns an und sagte uns: „Es ist ihm nichts Schlimmes geschehen, und ihr braucht euch nicht zu ängstigen. Er macht nur neue Wunderversuche.“

Jetzt hörten wir auch, daß einige Gefäße im Zimmer, Eimer und Waschschüssel, klirrten, als würden sie zur Seite gerückt. Unsere Laune heiterte sich auf. Wir klopften nun lebhafter an die Türe und riefen lachend, daß wir eintreten wollten.

„Es ist offen,“ rief drinnen die Stimme unseres Freundes.

Rasch drückten wir die Türe auf, und nun wurden wir noch mehr erstaunt. Wir sahen eine Wasserfläche, weit ausgebreitet über den ganzen Zimmerfußboden, vor uns. Und in seinem Bett, mit dem Augenglas auf der Nase, lag der junge Mann mit feuerrotem Kopf und vergnügt lachend.

Er erklärte uns, daß er noch einmal Versuche gemacht hätte, sich und diesmal auch das ganze Zimmer vollständig zu isolieren, damit er dadurch neue Elektrizitäten in seinem Körper ansammeln könne, die er heute nacht zum Aufstieg in den Vollmond brauchen wollte. Er sagte auch, er habe tagelang nichts gegessen, sondern nur Zigaretten geraucht und sich Kaffee und Tee bereitet.

Als wir durch das Wasser hindurch zu ihm an sein Bett traten, sahen wir erst, daß er im Gesicht seltsam zerschunden war. Er hatte sich die Backenknochen, die Stirnecken, Nase und Kinn so sehr mit dem Taschentuch gerieben, daß diese Stellen wie offene rote Wunden leuchteten. Und umgeben von diesem Kranz von Röte, glänzten unheimlich funkelnd seine Augengläser.

Aber das Vergnügen, daß wir ihn lebend antrafen und auch scheinbar noch bei Verstand, überwog den Schrecken dieser Eindrücke, und wir versuchten mit Lachen und Scherzen und Plaudern seine Wundersucht ins Komische zu ziehen und sie als harmlos und spaßhaft hinzustellen, und brachten es auch fertig, ihn zu überzeugen, daß diese Nervenüberspannung, hervorgebracht durch Hungern, Rauchen und Teetrinken, ihn nur schwächer und nicht stärker mache.

Er befahl uns zwar mehrmals, ihn allein zu lassen, vorgebend, er wolle schlafen. Aber wir ließen uns nicht so leicht abweisen. Da wir nun ins Zimmer eingedrungen waren, wollten wir es nicht so bald wieder verlassen, bis wir ihn gesund und vernünftig gemacht hätten.

Wir riefen das Dienstmädchen. Ihr sagten wir, der Wasserhahn wäre offen gewesen, und das Wasser wäre von draußen hereingeflossen. Daß der junge Philosoph selber Eimer um Eimer geholt und in sein Zimmer ausgegossen hatte, das wäre ihr natürlich nie eingefallen auszudenken. Aber man sah es ihr an, daß sie auch nicht verstehen konnte, wie das Wasser von draußen hereingeflossen war.

Während viele Hände nun die Flut hinausbeförderten und der junge Mann im Bett sich ärgerte, daß man ihn nicht in Ruhe ließ, lief einer von uns fort und kaufte Essen ein, und wir überredeten den Freund, Nahrung zu sich zu nehmen, was er dann auch tat. Wenn er von Wundern reden wollte, fingen wir beide an, der Schweigsame und ich, zu schmunzeln und dann zu lachen. Und besonders der Schweigsame verstand es gut, mit gesundem Spott des andern ungesunde Wunderlust lächerlich zu machen.