Ich sagte mir: unter dem herrlichen blauen Himmel Griechenlands wurden alle jene Versmaße aus dem Sinn eines angeborenen Gleichgewichts geboren. Die Südsonne und das Südblut des Mittelmeervolkes mußten dem inneren Leben der Dichter dort einen mächtigeren Rausch und Schwung geben, ein höheres Pathos, welches zu uns gebracht, in unser deutsches Klima und bei unserer kühleren Rasse ewig unnatürlich wirken wird und unwahr.

Unser Leben in Deutschland, das fast ein halbes Jahr Winter kennt, den kurzatmigen Sommer hat, und das zugleich von einer neuzeitlichen Emsigkeit durchdrungen ist und die Aufmerksamkeit auf ganz andere Lebensgesetze richten muß, als es die Griechen vor zweitausend Jahren taten, dieses Land muß ein eigenes Versmaß, seine eigenen Rhythmen haben. Dieses Versmaß muß sich dem inneren Leben, den zarteren Menschen, dem bewölkteren Himmel und den grübelnden Träumen, den rauschenden Laubwäldern unseres Landes anpassen.

Die Natur jedes Landes — Landschaft, Himmelsstrich und Sprache — gibt ihren Dichtern ein bestimmtes Versmaß ein.

Die Länder der Zypressen und Pinien, die Länder des heißen Südweines, die südlichen Länder, wo keine Singvögel nisten, können nicht in demselben Verstakt dichten wie deutsche Haine, deutsche Wiesen und Buschlandschaften voll fliegender Sänger und kühler lauschiger Grashügel.

Nach dieser Erkenntnis war es mir vorerst unmöglich, daran zu denken, Gedichte zu schreiben, da ich nicht im alten Versmaß schreiben wollte und zur Eingebung des neuen noch nicht gekommen war. Außerdem lag nichts zur Dichtung Aufmunterndes in der Haltung des damaligen Zeitgeistes, wie ich es vorher erklärt habe.

Und so stellte ich mich auf den Standpunkt, daß es vorläufig unmöglich sei, Gedichte zu schreiben in einer Zeit, die voll Maschinenlärm und Reiselärm war und mit Triumphen und neuen Wahrheiten der Naturwissenschaft protzte.

Ich wollte mich deshalb zuerst nur in einer neuen Erzählerkunst ausbilden, ausgehend von haarscharfster Beobachtung und genauester Wiedergabe der zartesten Lebenseindrücke. Dann hoffte ich, es würde sich vielleicht mit der Zeit die Sehnsucht und die Kraft zum Dichten in mir wieder verstärken und Dichterlust eines Tages von selbst hervorbrechen. Was ich aber im Lärm aller Neuheiten, die jetzt auf mich einstürmten, vorläufig stark bezweifelte.

Ja, ich ging damals so weit in meinem Urteil, und war darin nicht der einzige meiner Zeit, Dichtung und Dichten für eine Unmännlichkeit zu erklären. Dichtung schien mir, war heutzutage nur noch möglich für junge Mädchen, Schüler, ältere Tanten und Greise.

Der zeitgemäße Mann sollte auf die altmodische Süßigkeit gedichteter Gedanken verzichten und das Prosawort handhaben lernen und seine Gedanken durch die Kraft einer neuen Prosa vermitteln. —