Bauformen müssen so körperlich klug wie geistig klug sein und Nutzen und Schönheit in unzertrennlicher klarer Einheit vereinigen.
Aber ich will nicht damit sagen, wenn ich die alten griechischen Baudenkmale lobe, daß man, wie man es zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts getan, zu Napoleon des Ersten Zeit und später, die griechische Säulenwelt nachgeahmt bei uns aufstellen soll.
Ich möchte nur darauf hinweisen, daß, wenn wir eine befreite festliche Innerlichkeit, mit der der Grieche das Alltagsleben in jedem Augenblick auffaßte, auch bei uns wirken lassen wollen, so werden wir dann auch zu geistig freieren Bauwerken, unserem Klima angepaßt, zu einem edlen, unveränderbaren feststehenden Stil kommen.
Eine festliche Weltanschauung wird alle Künstler verinnerlichter und vereinfachter arbeiten machen. Sobald das Leben von den europäischen Völkermassen nicht bloß als eine Pflicht oder gar als sündiges Jammertal oder als ein Durchgangsaufenthalt zu einem besseren Leben aufgefaßt wird, wird sich alles Menschenleben natürlicher und künstlerischer gestalten als jemals.
Wenn die Völker von der zweckmäßigen, daseinsklugen Weltfestlichkeit aller Leben, also auch von der Festlichkeit der Menschenleben, durchdrungen und überzeugt worden sind, wird der Kunstsinn festlich befreit sein.
Ebenso wie die Griechen, so hat man auch lange Zeit die Japaner nur vom Standpunkt einer schmachtenden Schönheitsschwärmerei aus bewundert. Man verstand nicht, wie herrlich nützlich in erster Linie alle Gebilde sind, die diese beiden Völker hervorbrachten, und die zuerst den Zweck erfüllen und bei wunderbarer Zweckdienlichkeit eine selbstverständliche Schönheit bieten.
Eine Bauernfrau im schlichten Arbeitskleid und jeder Arbeiter in seiner Arbeitstracht, die zweckdienlich erfunden wurde, wirken künstlerisch und zeitgemäß und sind nicht stimmungsstörend für den Künstler.
Zweck und Geist verhöhnend aber sind die heutigen, zerstückelten und zusammengenähten, sinnlosen Modekleider der europäischen Frauen. Grauenhaft verirrt ist das europäische Frauenkleid von heute und ist nicht mehr die kluge nützliche, schöne irdische Hülle für den schönen irdischen Frauenleib.
Die Japanerin, die Chinesin, die Araberin sehen ihr Kleid noch mit gesundem und klugem Natursinn als eine feierliche, zweckmäßige Umhüllung an.