So kämpfte und wogte es in mir. Kein Weg machte mich müde in meinen Gliedern, aber die Unklarheit über meine Zukunftswege machte mich müde in meinem Herzen und am ganzen Leibe.
Ein Dampfschiff brachte uns dann am Nachmittag hinüber ans andere Ufer der Meeresenge, und von dort fuhr uns ein Zug nach Patras. Aber hier muß ich einen kleinen erlebten Scherz erzählen, der das griechische Volk gut kennzeichnet, das geneigt ist, immer in der Unbegrenztheit der Phantasie zu leben.
Am Schalter des kleinen Bahnhofs, an dem wir Fahrkarten nehmen sollten für den Zug, der von Athen erwartet wurde und der uns nach Patras bringen sollte, fragten wir — uns in französischer und englischer Sprache verständigend — den Schalterbeamten, ob wir, anstatt mit diesem Zug zu reisen, der erst in einer Stunde von Athen hier erwartet wurde, nicht mit einem früheren Zug fahren könnten.
Der Beamte nickte eilfertig und höflich. „Das ginge schon.“ Wir waren erstaunt und konnten nicht begreifen, warum er es uns nicht gleich gesagt hatte, daß es einen früheren Zug gab. Wir forderten natürlich nun für den früheren Zug Karten. Ungefähr nach zehn Minuten könnte der Zug abgehen, sagte der Beamte. Er würde uns dann die Karten auf den Bahnsteig bringen.
Wir fanden es etwas eigentümlich, daß man uns nicht gleich die Karten geben konnte, aber wenn man viel reist, wundert man sich nicht mehr laut, und so schwiegen wir, nickten und gingen dann plaudernd auf dem Bahnsteig auf und ab.
Nach zehn Minuten, als der Mann noch nicht kam und auch kein Zug sichtbar wurde, plagte uns Ungeduld. Wir warteten noch eine Weile und gingen dann zum Schalter. Dort nickte uns der Beamte wieder zu und sagte, er hätte die Berechnung gleich fertig.
Wir begriffen nichts. Aber da wir in fremden Sprachen redeten, glaubten wir, weiter geduldig sein zu müssen, und gingen wieder auf dem Bahnsteig auf und ab.
Kurz darauf suchte uns der Beamte auf. Er hielt ein Aktenpapier in der Hand und las davon ab, daß der Fahrpreis für den Zug nach Patras vierhundertundfünfzig Francs betragen sollte. Wir möchten das Geld hinterlegen, sagte er freundlich. Dann würde er die Wagen von der nächsten Hauptstelle telegraphisch bestellen, da hier keine Wagen für einen Extrazug vorrätig wären.
Wir sahen einander erstaunt an und mußten natürlich hell auflachen. Der Grieche hatte geglaubt, wir wünschten einen Extrazug zu nehmen, weil wir vielleicht zu vornehm wären, um auf den athener Zug zu warten. Denn fremde Reisende wurden damals, da nur wenig Ausländer in Griechenland unterwegs waren, entweder für reisende Prinzen oder für amerikanische Milliardäre angesehen. —