Der Hausdiener unseres Hotels in Athen, der öfters Reisegesellschaften durch den Peloponnes führte, hatte uns seine Visitenkarte an den Hausdiener des Hotels in Olympia mitgegeben, denn dieser war ebenfalls Reiseführer.
Am nächsten Morgen kamen wir von Patras aus, wo wir übernachtet hatten, in Olympia an. Dort nahmen wir den empfohlenen Führer und Maultiere und ritten durch die Landschaft von Arkadien nach Süden gegen Kalamata. Eine Tagreise vor Kalamata verabschiedete sich der Führer, der uns drei Tage begleitet hatte, und an seine Stelle trat ein griechischer Bauer, der uns nach Kalamata brachte, wo ein dritter Mann ihn ablöste und uns über den Gebirgspaß, immer noch auf Maultieren, nach Sparta führte.
In Sparta ruhten wir zwei Tage aus und nahmen dann einen Wagen nach Tripolitza. Dieser Ort ist eine Stadt mit türkisch-griechischer Bevölkerung. In Tripolitza übernachteten wir und fuhren am nächsten Tag nach Nauplia und von dort nach Epidaurus, wo wir wieder übernachteten und am Tage darauf mit einem Wagen nach Nauplia zurückkehrten. Von Nauplia führte uns ein Eisenbahnzug nach Mykene, wo wir nur einige Stunden beim Löwentor, im Palast des Agamemnon und am Grab der Klytämnestra weilten. Dann fuhren wir mit der Eisenbahn, ohne auszusteigen, über Korinth nach Athen zurück.
Wir waren zwei Wochen auf dieser Rundreise von Athen nach Delphi und durch den Peloponnes unterwegs gewesen, als wir zum Osterfest am athener Bahnhof ausstiegen.
Meine Aufmerksamkeit hatte sich hauptsächlich, als wir nach Olympia kamen, in Gedanken auf Arkadien gerichtet.
Die dunkelgrauen Ruinen von Olympia liegen versteckt, von kleinen grünen Anhöhen eingeschlossen, und die Landschaft umher hat nicht das Großzügige, nicht das Erschütternde, nicht das sich unaufhaltsam Verwandelnde wie die von kreisenden Wolkendämpfen umwanderte hohe Gebirgsmatte von Delphi. Aber gewaltig, irdisch trotzig und machthaberisch lagen in Olympia, beim lieblichen Herahügel, die wuchtigen Säulen des Zeustempels. Und da stand auch noch der mächtige Sockel, der einst das herrliche Laokoonbildwerk getragen, das jetzt in den Sammlungen des Vatikans in Rom steht.
Außer den machtvollen Gebäuderesten, die in dem kleinen Hügeltal durch die deutschen Ausgrabungen aufgedeckt lagen, war um Olympia nichts Reizvolles zu finden. Und ich sehnte mich, fortzureisen von den grauen trüben Steinmassen, die nicht festlich leuchteten, und die in lieblicher Landschaft Träumern glichen, die sich auf grünen Rasen hingelegt haben und gutmütig mit dem Erdboden verschmelzen wollen und, von gütigem Grün und Sonne zugedeckt, davon träumen Erde zu werden.
In dem kleinen Hotel, das das einzige Haus in Olympia war, saßen an einem Ende des langen Mittagstisches neun deutschsprechende Professorenfrauen. Sie waren auf einer Italienreise von Brindisi herübergekommen und hatten zusammen einen Abstecher nach Griechenland gemacht.