Ich trieb unseren Führer zur Eile an, da es mir unangenehm schien, wenn jener Mensch mit dem seltsamen sechsten Finger an der rechten Hand uns wie ein Spuk im heranbrechenden Abend folgen würde. Ich sagte meine Befürchtungen, als wir weiter geritten waren, meinem Reisegefährten, der sich gewundert hatte, daß ich mein Pferd so eilig anspornte. Und wir trieben dann unsere beiden Pferde lebhaft vorwärts, so daß wir den Führer weit hinter uns ließen.

Wir hörten bald auch schon die klappernden Hufe des fremden Reiters, der uns folgte, auf den Steinen des ausgetrockneten Bachbettes, das wir in der Abenddämmerung eben durchquert hatten. Da es nur einen Weg nach Andritzina gab, konnten wir das Reiseziel nicht verfehlen. Immer aber, wenn ich mich umsah, bemerkte ich zwei, drei Reiter mehr, die über den kahlen Anhöhen im Halbdunkel aufgetaucht waren, und die zuletzt in einiger Entfernung hinter uns einen kleinen Trupp von acht bis zehn Reitern bildeten.

Mein Herz sagte einfach: „Das sind nur Reisende wie wir auch; Handelsleute, heimkehrend von irgendeinem weitentfernten griechischen Marktflecken.“

Aber ich sah unseren Führer nicht mehr. Er schien spurlos verschwunden zu sein. Bisher war er den ganzen Tag neben unseren Pferden mit seinem kleinen, gewandten Bedientenschritt hergegangen.

Nun wurde auch mein Reisegefährte, er, der vorher keine Angst hatte, von meinen Räubervorstellungen angesteckt. Es war zu verlockend, sich auf diesen düsteren, abgeholzten, menschenleeren Höhen, auf welchen selten ein verkümmerter Baum, ein Busch oder eine Agavenpflanze im Abenddunkel stand, Räubergeschichten hinzudenken.

Wir hörten immer in einiger Entfernung hinter uns die Steine klappern und die Reiter, die die Pferde antrieben, schnalzten mit der Zunge. Sonst war in der Weltverlorenheit des dunstigen toten Abends auf diesen kahlen Berghöhen kein Laut zu hören, keine Abendglocke, kein heimziehendes Gefährt. Von Fabriken oder Eisenbahnen war hier natürlich keine Spur.

Der vorsichtige Verstand, der Hausherr meines Körpers, erzählte mir immer lebhafter, was er über das heutige Räuberwesen Griechenlands in den Zeitungen gelesen hatte.

Mein Reisegefährte konnte unseren Führer ebenfalls nicht mehr entdecken, und sein Verschwinden gab uns die Versicherung, daß er wahrscheinlich an jenem letzten Berghaus absichtlich zurückgeblieben war. Es war mir nun klar: der Führer hatte in Olympia räuberische Landsleute von unserem Vorhaben, durch den Peloponnes reiten zu wollen, benachrichtigt. Meistens wird dieser Ritt nur von großen Gesellschaften ausgeführt und selten von einzelnen fremden Reisenden.

Die Räuber hatten wahrscheinlich verabredet, wenn der Abend des ersten Tages hereinbräche, uns einzuholen und abzufangen, um ein Lösegeld zu erpressen. Deshalb war unser Führer, der Hoteldiener, bereits zurückgeblieben, um, im Falle die Sache mißglücken würde, nicht Zeuge der räuberischen Schandtaten gewesen zu sein.

Also faselte mein Verstand ganz ernstlich, indessen mein Herz, das durch sein Gefühl immer allwissend, immer ruhig und gleichmütig war, beschwichtigend vor sich hinmurmelte: „Die friedlichen Handelsleute tun euch nichts. Achte doch auf den wunderbaren sanften dunkelnden Abend, an dem alle Hast der Welt eingeschlafen scheint. Nie mehr wirst du hier in Arkadien reiten. Nur selten kommt man zu einem so schönen Abendritt.