Da war keine Hast, keine Unruhe, kein wild erwartetes Morgen, keine sinnlose Eile um den Brunnen, um den Platanenbaum und um das Haus. Und solche, von unbewußter Menschenweisheit geschmückte, natürlich festliche Landschaftsbilder, fand ich viele auf jener Reise durch den Peloponnes. Sie erquickten den Wandernden mehr als ein erfrischender Schluck Wasser aus der klarsten Quelle.

Wo die Quellen des Weltalls ungestört, fern von gepeitschter Lebensjagd und frei von sinnlosen Bedürfnissen, friedlich rinnen dürfen, dort ist immer für das künstlerische Herz das Weltallfest vollkommen. Denn der Künstler trägt in sich das ursprünglichste Herz und sehnt sich nach harmonischer Ursprünglichkeit auf allen Lebenswegen.

Während ich reitend, von meinem Bergpferdchen herab, solche Bilder, die in Weltallruhe eingerahmt waren, in mich aufnahm, wurde mir zugleich die Sehnsucht nach der Heimat und nicht nach der Fremde von solchen Blicken gestärkt. Ich sah mit Neid, wie die einfachen Landleute alle, ebenso wie die Handwerksleute der Städte, an ihrem Stück Erde hingen, und mit Frieden an der ihnen angeborenen Erdscholle ihr Stück Brot aßen und ihre Hände still bei der Arbeit rührten.

Je mehr ich Einblick bekam in die fremden Häuslichkeiten am fremden Wege, desto mehr wurde in mir der Glaube bestärkt, daß auch mir als Künstler nur die Heimat fortgesetzt Frieden und Kraft geben konnte.

Ich erinnerte mich daran, daß ich auch auf den fränkischen Landstraßen und auch bei den bayrischen Bergen und Seen und auf deutscher Heimaterde überall dieselbe edle Einfachheit der Sitten, dieselbe Arbeitsvertiefung beim Volk, dieselbe Schlichtheit der Gebärden, die Helligkeit alter vergangener Gebräuche und auch edle Bedürfnislosigkeit finden könnte.

Es gibt bei uns auch genug künstlerische Bilder am Wege und ebenso genug unbewußtes Verschmelzen mit dem Weltall. „Du findest es daheim in den Bauernstuben, in den Handwerkerstuben, in den Studierstuben“, sagte mein Herz ernst zu mir und zeigte meinen Gedanken warme runde Heimatsbilder, viele und freundliche, buntfarbig wie die verschiedenen Anemonenblumen auf den griechischen Wiesen.

Aber noch schämte ich mich vor mir selbst und vor meinem Reisegefährten, der mich bei jedem Aufenthalt in den griechischen Landschaften, in den Bergen, bei den Ruinen, in den Tälern und am Meere immer gefragt hatte, wo ich mich denn jetzt im Peloponnes niederlassen wollte. Und immer wieder hatte ich antworten müssen: „Hier nicht.“

Und dann waren wir wieder weiter geritten. Ich glaubte zuletzt, da ich schon vorher in Mexiko keine Heimat gefunden hatte, und ich nun einmal in Griechenland war, ich müßte wenigstens eine lange Zeit hier in diesem Lande ausharren, um mich nicht vor mir und meinen Freunden qualvoll lächerlich zu fühlen.

Als wir im Eisenbahnzug am Tag vor dem Ostersonntag nach Athen fuhren, und ich erklärt hatte, nirgends im Peloponnes bleiben zu wollen, sagte ich deshalb, noch einmal mein Herz verleugnend, ich wollte mir in der Nähe von Athen ein Weinberghaus suchen.