In Athen wurde uns dann bekannt, daß draußen ein einsames verlassenes kleines Klostergebäude am Fuße des Hymättos liege. Dieses hieß Cäsaria. Jenes Haus war einmal in ältester Zeit unter Kaiser Hadrian ein Lustschlößchen gewesen. Später ist es ein Kloster geworden. Das Gebäude war jetzt noch Eigentum eines großen Klosters in Athen. Wir mußten in jenem Kloster die Schlüssel für Cäsaria holen. Wir wollten das Haus besichtigen, das man mir verpachten sollte.
Der kurze Augenblick in jenem großen griechischen Kloster, in dem wir die Schlüssel verlangten, ist mir unvergeßlich.
Nach einem viereckigen sonnigen Hof hin lagen die offenen Zellen der Mönche. Große schattige Bäume standen mächtig und ruhig bei den Zellentüren. Die dicken Stämme der Bäume waren wie große Urnen anzusehen. Aus diesen quollen die Blätterkronen, als wüchse der Friede hier Blatt an Blatt aus der Erde.
Die Zellentüren standen offen, und ich sah in jedem kleinen weißgetünchten viereckigen Raum einen Betpult und ein schmales Bett. An der Wand hing ein Holzkreuz, und in einer Nische stand ein Wasserkrug. Köstliche heilige Einfachheit herrschte hier.
Einige Mönche mit langen grauen Bärten saßen im Hof unter den Bäumen und lasen, und ein alter stattlicher Mönch mit weißem Haupthaar und weißem Bart gab uns vertrauensvoll die Schlüssel.
Wie schade ist es, dachte ich, daß wir Künstler nicht in solcher Einfachheit mit unseren Frauen leben wie die Mönche hier. Diese leben wie jene drei Frauen, die ich im Peloponnes mit ihren Flachskunkeln in der Hand, im Frühlingstag arbeitend, unter einem Ahornbaum, in der Haustür und am Brunnen fand, und die mir wie an den Quellen der Ewigkeit sitzend sind erschienen.
So müßten wir Männer, in äußerer Einfachheit den Mönchen ähnlich, und unsere Frauen, jenen drei Wockenspinnerinnen ähnlich, im herrlichsten Frieden leben können, zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, den Vorbildern aller Götterbegriffe ähnlich, wenn wir uns zur edelsten Bedürfnislosigkeit entschließen könnten.
Sauberkeit und Ordnung am Körper, in der Kleidung und im Hause müßten die Grundbedürfnisse bleiben bei täglicher Arbeit. Und die Quellen des Weltallfriedens und der künstlerischen Freuden wären dann unerschöpflich.
Welche festliche künstlerische Beobachtung des Weltalls, welch festliches Miterleben mit Pflanzen, Tieren und Menschen wäre jenen Menschenherzen möglich, jenem Mann und jener Frau, die in solch äußerster Schlichtheit ihr tägliches Leben führen wollten!
Später, auf meiner Weltreise, traf ich diese Schlichtheit in Asien bei Millionen Menschen, sowohl im warmen Indien, als in dem in gemäßigter Zone liegenden Japan. Überall fand ich diese möbelleeren, aber von künstlerischen Gedanken erfüllten, kleinen Wohnungen, in welchen als erster Schmuck die peinlichste Sauberkeit herrschte und die feinfühligste Lebensordnung.