Zwischen leeren Wänden saßen in jenen Ländern gefühlvoll fleißige und allem Weltalleben klug nachfühlende Menschen. Und die Leere der japanischen Zimmer war so reich wie die Leere des blauen Himmels es ist, die nie langweilt.

Die Japaner hatten die Maße der Höhe, Breite und Tiefe ihres Hauses klug und fühlend um die Menschenfigur ausgedacht, so daß das Zimmer wie eine Schachtel zum Verpacken eines köstlichen Kunstwerkes wurde, eine Schachtel, die gerade so viel Raum bietet, als der Gegenstand Schutz braucht.

Das kleine Gebäude von Cäsaria lag bei einer winzigen Kapelle. Die stammte noch aus den ersten Jahren des Christentums. Die Kreuze und die Bilder darinnen waren ungemein liebevoll, einfältig und rührend kindlich gläubig gearbeitet. Das einstöckige Haus neben der Kapelle wurde von einigen Hirtenfamilien bewohnt. Aber hier herrschte Verwahrlosung überall. Die Dielen waren so zerrissen, daß man durch die Stockwerke hindurchsehen konnte, und das Gesindel, das da hauste, war nicht vertrauenerweckend. Die Hirten beim Hause trugen Gewehre über den Schultern, Revolver und Dolche in den Gürteln. So standen sie zwischen ihren Herden und schossen nach Vögeln und Feldmäusen und benahmen sich bei unserem Erscheinen, als müßten sie uns mit ihren Büchsen das Echo vom Hymättosgebirge hören lassen.

Hinter dem Haus zog ein ungeheuerer Bergabhang hinauf, der seit Jahrhunderten schon abgeholzt war und kahl und sonnenverbrannt in die Lüfte starrte.

Einige Schritte von der Türschwelle fort, unter dürftigen Laubbäumen, sickerte aus einem alten marmornen Widderkopf eine Quelle. Dort bei einem großen alten Trog knieten Weiber, alte Männer und Kinder; die wuschen unter viel Geschnatter und Geschimpf ihre Wäsche.

Es führte kein eigentlicher Weg zu diesem Haus. Wir hatten von der großen Landstraße quer durch Felder einen Pfad suchen müssen. Ich hatte geglaubt, ein einsames einfaches leeres Klosterhaus zu finden, und war erstaunt über die uns mißtrauisch begrüßende, verwilderte Hirtengesellschaft, die da, büchsenknallend und freche Reden führend, das verwahrloste Haus wie eine Räuberhöhle erscheinen ließ.

Da war kein Garten, kein Wald in der Nähe, nur dürftiges Buschwerk war da und ein heißer steinerner Bergabhang und flache Felder davor. „Wollen Sie hier auch nicht bleiben?“ fragte mich mein Reisegefährte. „Nein,“ sagte ich, „hier erst recht nicht.“ „Was wollen Sie dann tun?“ —

Die Frage war leicht gestellt, aber ich mußte in meiner Brust einen schweren Kampf kämpfen, um die Antwort zu finden, die ich mir selbst geben sollte. Ich kam mir gedemütigt vor, weil ich so viele Pläne gemacht hatte, und weil nun alle meine Gefühle und Gedanken, wenn ich aufrichtig zu mir war, nichts mehr von jenen Plänen wissen wollten. Mein Herz drängte nur heftig nach der Vereinigung mit meiner Frau und mit meiner Heimat.

Wir gaben die Schlüssel von Cäsaria dann wieder im Kloster ab. Der weißbärtige Mönch nickte, als er hörte, daß ich nicht daran denken wollte, dort zu wohnen, und er fand es ganz in der Ordnung, daß ich wieder nach Hause reisen wollte. Herrlich friedlich war es in mir nach diesem Entschluß. Auf dem Rückweg vom Kloster nach Athen beleuchtete die Abendsonne vor uns den fernen Akropolishügel. Der lag goldrötlich über den blauschattigen Feldern und verdunkelte sich mehr und mehr, als wollte er vor meinen Augen verschwinden und wollte sich in einen fränkischen Hügel, in den Marienberg, der das Schloß über der Stadt in Würzburg trägt, verwandeln.