Jedes Mädchen faßte mit gekreuzten Händen nach den Händen ihrer beiden Nachbarinnen, und ebenso taten die Burschen. Und nach einer uralten Melodie, die die Mädchen und die Burschen sich zusangen und beantworteten, bewegten sich die beiden breiten Reihen von jeder Seite des Marktplatzes einander entgegen, und die vielen Füße tanzten langsam, rhythmisch vor und zurück, je nach dem Takte des einfachen Liedes.

Das Lied war feierlich und leicht klagend, und seine Melodie bewegte sich nur in ein paar Tönen. Aber die wunderbare Einförmigkeit und Einfachheit des uralten Tanzes und des Osterliedes, das schon die Väter und Vorväter bei der Wiederkehr des Frühlings hier auf dem Marktplatz getanzt und gesungen hatten, war unergründlich festlich stimmend auch für die Ohren eines Fremden.

Ich nahm das Lied als Abschiedsgruß von Griechenland in meinen Ohren mit nach Deutschland. Und ich summte es noch lange gern vor mich hin auf den Feldwegen daheim, als meine Frau und ich uns wieder zusammengefunden hatten und auf dem Gut bei Würzburg wohnten, am Nikolausberg, wo einst meine Mutter gestorben ist.


Es war im Mai 1898, als ich dann nach langen Irrfahrten in der mir angeborenen Heimat gelandet bin. Zwei Jahre waren wir, meine Frau und ich, von Hotel zu Hotel und von Land zu Land gezogen und hatten es noch nie zusammen erlebt, auf altem Erinnerungsboden zu wohnen, in eigener Küche ein nach persönlichem Geschmack hergerichtetes Mahl auf dem Feuer zu haben, am häuslich gedeckten Tisch zu essen und vor den Türen Wege zu gehen, die nicht ins Unbekannte, ins Unklare führten.

Hier kannte ich die Ziele eines jeden Feldwegs und jeder Landstraße. Ich konnte meiner Frau unterwegs berichten, was uns erwartete, wenn wir vom Haus am Berg aus nach Osten, nach Westen, nach Norden oder Süden gingen.

Die Hähne, die im Gutshof krähten, waren Heimathähne, deren Laute ich mit mir in der Fremde herumgetragen hatte. Und immer, wo ich auf den Reisen in den Wanderjahren einen Hahn hatte krähen hören, war das Bild jenes Gutshofes in mir aufgestiegen. Und Hahnenschreie, wo ich sie auch hörte, hatten mir immer zugerufen, heimzukommen in die Vaterstadt, dorthin, wo ich einst sprechen, gehen, denken, handeln und träumen gelernt hatte. Die Häuser kannten mich alle noch, sie, die mit ihren Fensterscheiben immer am gleichen Fleck standen und die Menschen betrachteten, die in ihnen heranwuchsen und von ihnen fortgingen.

Wenige von den Fortgehenden aber waren wiedergekommen, und wenige nickten ihnen zu.

Ich fühlte bei meinen Wegen durch die Stadt, daß diese Häuser, die mir bei meinem Kinderspiel und bei meinem Schulweg zugesehen hatten, die meine Jünglingsgedanken mitgedacht hatten, und die mich nun mit meiner Frau zusammen übers Pflaster wandern sahen, daß diese Häuser mein Besitz waren. Sie waren durchdrungen und in Besitz genommen von den Gedanken meiner früher hier verlebten Jahre.