Als ich in späteren Jahren einsam um die Erde reiste und meine Frau in Europa zurücklassen mußte, da war nicht ein Tag, nicht eine Stunde in den sieben Reisemonaten und auf den sieben Meeren bei allen Wundern der Welt, an denen mir nicht mein Herz überall das Gesicht und die Gestalt von ihr zeigte, die ich vermißte.

Überall in der Fremde deutete das Herz zuerst auf seinen Besitz, und dann ließ es erst meine Augen die Bilder der Fremde wie mit vier Augen genießen, mit den Augen von ihr, die in der Heimat zurückgeblieben, und mit meinen reisenden Augen. —


Wenn ich jetzt morgens oder abends auf meinem Berg stehe, kann mir die Sonne keine entwurzelnde Sehnsucht mehr von Osten herbringen, und sie zieht meine Augen abends nicht nach Westen über unbekannte Grenzen in die Leere fort. Ich bin zufrieden, endlich in der Heimat angekommen zu sein.

Ich sehe gern in mich hinein, wie in einen Brunnen, auf dessen Spiegel ganz unten das Bild der Sonne wie eine Mondscheibe tanzt. Und neben ihr tanzen auch am Tage alle Sterne. Und ich kann in meinem Innern nicht mehr Tag und Nacht voneinander trennen. Es sind alle Zeiten und alle Räume in der Lebensseligkeit des Heimgekehrten.

Die Nachtstunde, die den Fluß unter meinen Fenstern lauter rauschen läßt, ist nicht dunkler als die Mittagsstunde, die die Glocken über der Stadt läuten läßt. Der Wintertag, der den Schnee ans Fenster treibt, ist dir nicht kälter als der Sommertag, der das Kornfeld gilbt, sobald du angekommen bist beim innersten Wesen aller Dinge, bei der Schöpferkraft des Liebesgefühls, das die Krone aller Gefühle ist.

Du dachtest zum Beispiel, die Sonne scheint, und du und deine Geliebte, ihr möchtet in das Grüne unter die Bäume gehen. Aber es regnet im nächsten Augenblick, und, unter der Türe stehend, streckst du die Hand aus und fühlst die Regentropfen. Du weißt aber bald nicht mehr, daß du den Wunsch hattest, unter die Bäume zu gehen, weil die Wolken den Wunsch hatten zu regnen, und die Sonne den Wunsch hatte auszuruhen, und weil du nichts Lieberes unter den Bäumen gesehen hättest als die Augen jener, die du liebst, und die mit dir auf der Türschwelle steht.

Aug’ in Aug’ mit ihr quält dich nichts. Und ihr laßt beide wunschlos den Regen fallen, denn keine anderen Wege sind von Wichtigkeit und von äußerstem Wert als der Weg von Blut zu Blut bei Zweien, die sich lieben.

Diese Wunschlosigkeit in der Liebeslust und in der Heimatlust zu erkennen, zu pflegen, zu erhalten, das hat Lebenssinn.