Ich ließ mir die dicken Bände des Geisterdichters William Blake vorlesen und deuten. Und war in Bohuslän die Welt für mich stark, prächtig, natürlich klar und handgreiflich am Meer und beim Granit und in dem würdigen Pfarrhaus ausgebreitet gewesen, so gerade dem entgegengesetzt, unklar, geisterhaft, aber doch nicht unnatürlich, bei aller Finsternis nicht unglaubhaft, malte sich jetzt vor mir in jenem kleinen londoner Zimmer die tastend begeisterte Dunkelwelt der Magie.

Ich glaubte zuerst, daß jene beiden Menschen, die mich in die Geheimwelt des Geisterlebens einweihen wollten, es ebenso auf Wunderverrichtung abgesehen hätten, wie ich und mein Freund, der junge Philosoph, einige Jahre vorher, an jenem Augustnachmittag auf dem Gute bei Würzburg, Wunderwünsche gehabt hatten.

Ich sagte deshalb den Amerikanern, daß ich längst über die Sehnsucht, Wunder zu erleben, fortgekommen sei und deutete ihnen an, daß meine Weltanschauung darin bestehe, das größte und kleinste Leben im Weltall, ebenso wie mich selbst, als festlich zusammengehörig anzusehen und jedes Leben als seinen eigenen Schöpfer und zugleich als Mitschöpfer des ganzen Alls zu betrachten. Ich sagte ihnen, das Weltall würde von mir als ein Festleben, als eine unendliche Festlichkeit angesehen, bei der wir alle ewig in Freude und Leid mitfeiern und alle von neuem Leben zu neuem Leben die Festgestalt wechseln und dabei alle alles besitzen und zugleich der Besitz aller sind.

Da sagten die beiden Amerikaner: „Das ist im Grund dieselbe Lehre, die wir meinen. Wir haben sie in einem Geheimbund erfahren, und Sie sind mit Ihrem Freund, dem Philosophen, durch eigenes Nachdenken zur selben Erkenntnis gelangt.

Wir glauben dasselbe. Wir glauben auch, daß wir Menschen Wunder wirken könnten, aber aus Weisheit das Schöpfungswerk nicht durch törichte Wundersucht stören wollen. Denn dann wären wir nicht mehr weise. Wir glauben ebenso an die Festlichkeit des Lebens. Wir glauben aber auch, daß man sich die großen Kräfte der Sterne ebenso zu Nutzen machen darf, wie man sich Elektrizität und Dampfkräfte zu Nutzen gemacht hat.

Denn es wird kein vernünftiger Mensch daran zweifeln können, daß die Sternenmassen, die sich im Himmelsraum bewegen, die sich bald einander nähern, bald voneinander entfernen, in denen ganze Sonnensysteme wandern, daß diese Sonnen, die sich mit ihren Planeten umkreisen — daß diese sich einander nähernden und sich entfernenden Weltkörpermassen nicht untereinander Einflüsse ausüben müssen auf das Leben, das auf ihnen besteht.

Die Riesenschwankungen, die die Annäherungen solcher Massenungeheuer gegenseitig erzeugen, bleiben nicht ohne Einfluß auf die pflanzliche, tierische, chemische und menschliche Welt, die sich auf den verschiedenen Gestirnen befinden mag.

Darum sind die sich verschiebenden Stellungen der Sterne von Bedeutung für das kleinste Atomleben, also auch für das Menschenleben auf unserem Gestirn. Die Verschiebungen der Sterne bringen durch bedingte Atomverschiebungen Veränderungen chemischer Prozesse hervor. Denn die verschiedenen Gestirne stehen, wie jeder weiß, auf verschiedenen Verbrennungsstufen. Sie sind außerdem verschiedenartig zusammengesetzt. Und angenommen, es würden auch auf jedem Stern dieselben Elemente vorhanden sein, so sind diese doch in verschiedenen Hitze- und Abkühlungsstufen von verschiedenster Wirkung.“

Diese letztere Erklärung sagte ich mir selbst, als die beiden Amerikaner mir die Sterneneinflüsse glaubhaft machen wollten. Ich sagte mir: betrachtet man das Weltall als eine chemische Masse, in der jedes Sonnensystem ein Molekül bedeutet, das sich wieder aus Atomen zusammensetzt, und sieht man die Planeten jedes Sonnensystems als Atome des Sonnensystemmoleküles an, so kann man sich recht gut vorstellen, daß Aufruhr und Änderungen in dieser chemischen Verbindung entstehen, wenn zum Beispiel ein Komet, der ein Atom darstellt, sich einem Molekül, einem Sonnensystem nähert, und dessen Bahn kreuzt.

Angenommen, es sei irgendein chemischer Stoff auf dem Komet überwiegender tätig als auf dem Planeten, dessen Bahn der Komet kreuzt, so wird er wie ein Gärungskeim auf die vorher ruhige Bahn des Planeten einwirken. Denn durch Strahlung kann der Komet kleinste Körperchen, wie zum Beispiel Elektronen, aus der Ferne in das Sonnensystem aufrührerisch schleudern und vorübergehend Zersetzungsprozesse erzeugen, die sich dann selbstverständlich als Unruhen, als Erdbeben, Störungen, Krankheiten des Wassers, Krankheiten der Luft, Krankheiten der Erde, Störungen in der Elektrizität, die sich also auch als Krankheiten der elektrischen Ströme auf jenem Planet fühlbar machen. Die Lebewesen unseres Planeten, die Menschen zum Beispiel, würden dann unruhiger denken, unruhiger handeln, gestört im Gleichgewicht, kriegerischer gesinnt sein und fieberhafter und gewalttätiger werden.